Lehre und Bündnisse – Vorlesungen über Glauben

(3. deutsche Auflage, 1903)





Lehre und Bündnisse

_______

Vorlesungen über Glauben.

_______

Vorlesung 1.

Ueber die Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten
Tage, ursprünglich einer Klasse der Aeltesten in Kirt-
land, Ohio, vorgetragen.

Die Bedeutung des Wortes – Glaube.

1.  Da der Glaube das erste Princip einer geoffenbarten
Religion und die Grundlage aller Gerechtigkeit ist, so bean-
sprucht er natürlicherweise in einer Reihe von Vorlesungen,
welche beabsichtigen die Lehre Christi dem Verstande zu ent-
falten, den ersten Platz.
2.  Indem wir den Gegenstand des Glaubens vorlegen, so
werden wir die folgende Ordnung beobachten:
3.   Erstens, den Glauben selbst – was er ist;
4.   Zweitens, den Gegenstand, auf welchem er beruht;
5.   Und drittens, die Wirkungen, welche derselbe hervor-
bringt.
6.  Dieser Ordnung gemäß müssen wir zuerst zeigen, was
der Glaube ist.
7.  Der Verfasser der Epistel an die Ebräer gibt im ersten
Verse des elften Kapitels seines Briefes die folgende Erklärung
des Wortes Glaube:
8.  „Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht (Ge-
wißheit) deß, das man hoffet und nicht zweifelt an dem, das
man nicht siehet.“
9.  Daraus lernen wir, daß der Glaube die Zuversicht ist,
welche man von dem Dasein ungesehener Dinge hat, und den
Beweggrund der Handlung in allen vernünftigen Wesen bildet.
2
Erste Vorlesung über Glauben.
Glaube der Beweggrund aller Handlungen,

10.  Würden Leute sich genau selbst betrachten und ihre
Gedanken und Erwägungen auf die Wirksamkeit ihrer eigenen
Gemüter lenken, so würden sie sogleich entdecken, daß es der
Glaube und der Glaube allein ist, welcher den Beweggrund
aller ihrer Handlungen ausmacht; das ohne denselben der
Geist und Körper in einem Zustande der Unthätigkeit sein
würden und daß alle ihre Anstrengungen, geistiger sowohl als
körperlicher Natur, aufhören würden.
11.  Was wäre die Antwort, würde diese Klasse zurück-
gehen und über die Geschichte ihres vergangenen Lebens von
dem Zeitpunkte ihrer ersten Erinnerung nachdenken, und sich
fragen, welcher Beweggrund sie zur Handlung anregte, oder
was ihnen in allen ihren gesetzmäßigen Beschäftigungen, Be-
rufen und Bestrebungen, Kraft und Thätigkeit verlieh?
Würde sie nicht sein, daß es die Zuversicht war, die ihr in
betreff des Daseins von, von euch noch nicht gesehenen, Dingen
hattet? War es nicht die Hoffnung, welche ihr, in Folge eures
Glaubens an das Dasein unsichtbarer Dinge hattet, die um
diese zu erlangen, euch zur Thätigkeit und Anstrengung an-
eiferte? Ist die Erlernung aller Kenntnis, Weisheit und In-
telligenz nicht von eurem Glauben abhängig? Würdet ihr euch
anstrengen, Weisheit und Intelligenz zu erlangen, wenn ihr
nicht glaubtet, sie empfangen zu können? Würdet ihr jemals
gesät haben, wenn ihr nicht geglaubt hättet, zu ernten? Wür-
det ihr jemals gepflanzt haben, wenn ihr nicht geglaubt hättet,
zu sammeln? Würdet ihr jemals gebeten haben, wenn ihr nicht
zu empfangen geglaubt hättet? Würdet ihr jemals gesucht
haben, wenn ihr nicht geglaubt hättet, zu finden?
Oder würdet ihr jemals geklopft haben, wenn ihr nicht ge-
glaubt hättet, daß man euch aufthun würde? In einem Worte,
würdet ihr irgend etwas Körperliches oder Geistiges gethan ha-
ben, wenn ihr nicht vorher Glauben gehabt hättet? Hängen
nicht alle eure Bemühungen jeder Art von eurem Glauben ab?
Oder, kann man nicht fragen, was habt oder besitzt ihr, was
ihr nicht in Folge eures Glaubens erlangt habt? Habt ihr
nicht eure Nahrung, eure Kleidung, euer Obdach wegen eures
Glaubens? Denkt nach und fragt euch selbst, ob diese Dinge
3
Erste Vorlesung über Glauben.
und das Princip der Macht.

nicht so sind. Lenkt eure Gedanken auf eure eigenen Herzen
und sehet, ob der Glaube nicht der Beweggrund in allen euren
Handlungen ist; und wenn er es in euch ist, ist er es nicht auch
in allen anderen vernünftigen Wesen?
12.  Wie der Glaube der Beweggrund aller Handlungen
in zeitlichen Angelegenheiten ist, so ist er es auch in geistigen,
denn der Heiland sagte sehr richtig, daß, „Wer da glaubet und
getauft wird, der soll selig werden.“ Mark. 16: 16.
13.  Gerade wie wir durch den Glauben alle zeitlichen Seg-
nungen empfangen, so in gleicher Weise empfangen wir auch
durch denselben alle geistigen Segnungen, deren wir teilhaftig
werden. Doch der Glaube in allen verständigen Wesen, ob im
Himmel oder auf der Erde, ist nicht allein das Princip der
Handlung, sondern auch der Macht. So sagt der Verfasser der
Epistel an die Ebräer,11: 3.
14.  „Durch den Glauben verstehen wir, daß die Welt zu-
gerichtet worden sei durch Gottes Wort, also daß die Dinge,
die man sieht, nicht geworden sind aus Dingen, die da er-
scheinen.“
15.  Hieraus ersehen wir, daß der Glaube das Princip
der Macht war, die in dem Busen Gottes existirte, durch welche
die Welten gestaltet wurden, und daß durch dieses, in der Gott-
heit existirende Princip der Macht alle erschaffenen Dinge ihr
Dasein haben; so daß alle Dinge im Himmel, auf der Erde
oder unter der Erde, in Folge des Glaubens, wie er in IHM
existirte, ihr Dasein haben.
16.  Ohne das Princip des Glaubens würden die Welten
nie gestaltet, noch der Mensch aus dem Staube gemacht worden
sein. Es ist das Princip, durch welches Jehovah wirkt und
durch welches er Macht über alle zeitlichen, sowie auch geistigen
Dinge ausübt. Nähme man dieses Princip oder Attribut –
denn es ist ein Attribut – von Gott weg, so würde er auf-
hören ein Dasein zu haben.
17.  Wer kann nicht sehen, daß wenn Gott durch den Glau-
ben die Welten gestaltete, er auch durch denselben Macht über
sie ausübt und daher der Glaube das Princip der Macht ist?
und wenn er das Princip der Macht ist, er es sowohl in Men-
4
Erste Vorlesung über Glauben.
Beispiele der Kraft des Princips.

schen, als im Allmächtigen sein muß? Dies ist das Zeugnis
aller Verfasser der heiligen Schriften und die Lehre, womit sie
sich bemüht haben, die Menschheit zu unterrichten.
18.  Der Erlöser, indem er die Ursache, warum seine Jün-
ger den Teufel nicht austreiben konnten, auseinander setzte,
sagte (Matth. 17: 19, 20.), daß es wegen ihres Unglaubens
war: – „Denn ich sage euch: Wahrlich, so ihr Glauben habt
als ein Senfkorn, so möget ihr sagen zu diesen Berge, ‚Hebe
dich von hinnen dorthin‘, so wird er sich heben, und euch wird
nichts unmöglich sein.“
19.  Während Moroni die Urkunden seiner Väter abkürzte
und zusammenstellte, erzählte er uns das Folgende über den
Glauben, als ein Princip der Macht. Er sagt auf Seite 597
(Buch Mormon), daß es der Glaube Almas und Amuleks war,
der die Mauern des Gefängnisses zerriß, wie es auf der 278sten
Seite aufgezeichnet ist; daß es der Glaube Nephis und Lehis
war, welcher verursachte, daß eine Veränderung in den Herzen
der Lamaniten bewerkstelligt wurde, als sie durch den heiligen
Geist und Feuer getauft wurden, wie auf der 443sten Seite zu
sehen ist; und daß es durch den Glauben geschah, daß der Berg
Zerin fortbewegt wurde, als der Bruder Jareds im Namen des
Herrn sprach. (Seite 599.)
20.  Aufs Weitere wird uns in Ebräer 11: 32–35, er-
zählt, daß Gideon, Barak, Simson, Jephthah, David, Samuel
und die Propheten durch den Glauben Königreiche bezwungen,
Gerechtigkeit gewirkt, Verheißungen erlangt, der Löwen Rachen
verstopft, und des Feuers Kraft ausgelöscht haben, sind des
Schwerts Schärfe entronnen, sind aus der Schwachheit kräftig
geworden, sind stark geworden im Streit, und haben der Frem-
den Heer darniedergelegt. Die Weiber haben ihre Toten von
der Auferstehung wieder genommen u. s. w.
21.  So auch Josua in der Gegenwart des ganzen Israel
Gebot der Sonne und dem Monde stille zu stehen und es ge-
schah. Josua 10: 12.
22.  Es wird uns von den Verfassern der heiligen Schrift
mitgeteilt, daß alle diese Dinge durch den Glauben gethan
wurden. Durch den Glauben wurden die Welten gestaltet.
5
Erste Vorlesung über Glauben.
Ohne Glauben wäre ein Dasein unmöglich.

Gott sprach, Chaos hörte und Welten ordneten sich kraft des
Glaubens der in IHM war. So auch mit dem Menschen; er
sprach aus Glauben, im Namen Gottes und die Sonne stand
still, der Mond gehorchte, Berge bewegten sich, Gefängnisse fie-
len, die Rachen der Löwen wurden verstopft, das menschliche
Herz verlor seine Feindschaft, Feuer seine Heftigkeit, Armeen
ihre Macht, das Schwert seinen Schrecken und der Tod seine
Herrschaft; und dies Alles, wegen des Glaubens, welcher in
ihm war.
23.  Wäre es nicht um des Glaubens willen gewesen, wel-
cher in jenen Menschen war, so hätten sie umsonst zu der Sonne,
dem Monde, den Bergen, Gefängnissen, dem menschlichen Her-
zen, Feuer, den Armeen, dem Schwerte oder Tode reden können!
24.  So ist denn der Glaube das erste, große, regierende
Princip, welches Macht, Herrschaft und Gewalt über alle Dinge
hat; durch ihn haben sie ihr Dasein, durch ihn werden sie auf-
recht erhalten, durch ihn werden sie verändert, oder durch ihn
bleiben sie, nach dem Willen Gottes. Ohne ihn gibt es keine
Macht, und ohne Macht könnte es auch weder eine Schöpfung
noch ein Dasein geben!

_______


Fragen und Antworten über die vorhergehenden Lehren.

Was ist Theologie? Es ist jene geoffenbarte Wissenschaft,
welche von dem Wesen und den Eigenschaften Gottes, – seinem
Verhältnis zu uns – den Fügungen seiner Vorsehung – seinem
Willen, in Bezug auf unsere Handlungen – und seinen
Absichten in Bezug auf unser Ende, handelt. Bucks theologi-
sches Wörterbuch, Seite 582.
Was ist das erste Princip dieser geoffenbarten Wissenschaft?
Der Glaube. Vorlesung 1: 1.
Warum ist der Glaube das erste Princip in dieser geoffen-
barten Wissenschaft? Weil er die Grundlage aller Gerechtigkeit
ist. „Aber ohne Glauben ist es unmöglich Gott gefallen.“
6
Erste Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Ebräer 11: 6. „Kindlein, lasset euch niemand verführen. Wer
recht thut, der ist gerecht, gleichwie er (Gott) gerecht ist.“
1. Joh. 3: 7. Vorlesung 1: 1.
Auf welche Weise sollte der Gegenstand des Glaubens dar-
gestellt werden? Zuerst sollte gezeigt werden, was der Glaube
ist. Vorlesung 1: 3. Zweitens, der Gegenstand, auf welchem
er beruht. Vorlesung 1: 4. Und drittens, die Wirkungen, welche
von demselben fließen. Vorlesung 1: 5.
Was ist der Glaube? „Es ist aber der Glaube eine ge-
wisse Zuversicht deß, das man hoffet und nicht zweifelt an dem,
das man nicht siehet.“ Ebräer 11: 1. Das ist, er ist die Zuver-
sicht, welche wir von dem Dasein unsichtbarer Dinge haben,
und da er die Zuversicht ist, welche wir von dem Dasein unsicht-
barer Dinge haben, so muß er der Beweggrund der Handlung
aller vernünftigen Wesen sein. „Durch den Glauben verstehen
wir, daß die Welt durch Gottes Wort zugerichtet worden sei.“
Ebräer 11: 3. Vorlesung 1: 8, 9.
Wie kann bewiesen werden, daß der Glaube der Grund der
Handlungen aller vernünftigen Wesen ist? Zuerst, durch die
richtige Beobachtung der Wirkungen unserer eigenen Herzen;
und zweitens, durch die deutliche Erklärung der heiligen
Schrift. „Durch den Glauben hat Noah Gott geehret und die
Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er einen göttlichen
Befehl empfing von dem, das man noch nicht sahe; durch wel-
chen er verdammte die Welt und hat ererbet die Gerechtigkeit,
die durch den Glauben kommt.“ Ebräer 11: 7.
„Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er be-
rufen ward auszugehen in das Land, das er ererben sollte;
und ging aus und wußte nicht, wo er hinkäme.“ Ebräer 11: 8.
„Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem
verheißenen Lande, als in einem fremden und wohnte in Hüt-
ten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.“
Ebräer 11: 9.
„Durch den Glauben verließ Moses Aegypten und fürch-
tete nicht des Königs Grimm; denn er hielt sich an den, den er
nicht sahe, als sähe er ihn.“ Ebräer 11: 27. Vorlesung 1: 10
und 11.
7
Erste Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Ist nicht der Glaube der Beweggrund der Handlungen in
geistigen sowohl, als auch in zeitlichen Dingen? Ja.
Wie wird es bewiesen? „Ohne Glauben ist es unmöglich
Gott gefallen.“ Ebräer 11: 6. „Wer da glaubet und getauft
wird, der wird selig werden.“ Mark. 16: 16. „Derhalben muß
die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei
aus Gnaden und die Verheißung fest bleibe allem Samen; nicht
allein dem, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des
Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser Aller Vater.“ Römer
4: 16. Vorlesung 1: 12, 13.
Ist der Glaube noch etwas Anderes, außer ein Grund der
Handlung? Ja.
Was ist er? Er ist auch das Princip der Macht. Vorlesung
1: 13.
Wie wird es bewiesen? Erstens ist er das Princip der
Macht Gottes sowohl als im Menschen.
„Durch den Glauben verstehen wir, daß die Welt zugerichtet
worden sei durch Gottes Wort, also daß die Dinge, die man
sieht, nicht geworden sind aus Dingen, die da erscheinen.“ Ebräer
11: 3. Vorlesung 1: 14, 15, 16. Zweitens ist er auch das Prin-
cip der Macht im Menschen. Alma und Amulek werden aus dem
Gefängnisse befreit. Buch Mormon Seite 278. Nephi und Lehi
mit den Lamaniten werden durch den Geist getauft. Seite
443. Der Berg Zerin wird durch den Glauben des Bruders Ja-
reds fortbewegt. Seite 599. „Da redete Josua mit dem Herrn
des Tages, da der Herr die Amoriter übergab vor den Kindern
Israels und sprach vor gegenwärtigem Israel, ‚Sonne, stehe still
zu Gibeon, und Mond, im Thal Ajalon‘! Da stand die Sonne
und der Mond stille, bis daß sich das Volk an seinen Feinden
rächete. Ist dies nicht geschrieben in Buch der Frommen? Also
stand die Sonne mitten am Himmel und verzog unterzugehen,
beinahe einen ganzen Tag.“ Josua 10: 12, 13. „Da traten zu
ihm seine Jünger besonders und sprachen, ‚Warum konnten wir
ihn nicht austreiben‘? Jesus aber antwortete und sprach zu
ihnen, ‚Um eures Unglaubens willen; denn ich sage euch, Wahr-
lich, so ihr Glauben habt als ein Senfkorn, so möget ihr sagen
zu diesem Berge, ‚Hebe dich von hinnen dorthin; so wird er
8
Erste Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

sich heben und euch wird nichts unmöglich sein‘.“ Matth. 17:
19–20. „Und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu
kurz, wenn ich erzählen sollte von Gideon, Barak und Simson,
und Jephthah, David und Samuel und den Propheten; welche
durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit ge-
wirket, die Verheißung erlanget, der Löwen Rachen verstopfet,
des Feuers Kraft ausgelöschet haben, sind des Schwerts Schärfe
entronnen, sind stark geworden im Streit, haben der Fremden
Heer darniedergelegt. Weiber haben ihre Todten von der Aufer-
stehung wieder genommen; Andere aber sind zerschlagen, und
haben keine Erlösung angenommen, auf daß sie die Aufersteh-
ung, die besser ist, erlangten.“ Ebräer 11: 32–35. Vorlesung
1: 16–22.
Wie sollte der Glaube in seinem ausgedehntesten Sinne er-
klärt werden? Er ist das erste, große regierende Princip, welches
Macht, Herrschaft und Gewalt über alle Dinge hat. Vorlesung
1: 24.
Wie kann man es noch deutlicher auseinandersetzen, daß
der Glaube, das erste, große, regierende Princip ist, welches
Macht, Herrschaft und Gewalt über alle Dinge hat? Durch ihn
haben sie ihr Dasein, durch ihn werden sie erhalten, durch ihn
werden sie verändert oder durch ihn bleiben sie nach dem Willen
Gottes; und ohne ihn gibt es keine Macht, und ohne Macht
könnte weder eine Schöpfung noch ein Dasein sein. Vorlesung
1: 24.










9
Zweite Vorlesung über Glauben.



Vorlesung 2.
Gott ist allmächtig, allgegenwärtig und allwissend.

1.  Da wir in der vorhergehenden Vorlesung gezeigt ha-
ben, was der Glaube an und für sich ist, so wollen wir fort-
fahren, zweitens, zu zeigen, auf welchem Gegenstande er beruht.
2.  Wir wollen hier bemerken, daß Gott der einzige, höchste
Lenker und ein unabhängiges Wesen ist, in welchem alle Fülle
und Vollkommenheit vorhanden sind; welcher allmächtig, allge-
genwärtig und allwissend ist, ohne Anfang der Tage oder Ende
des Lebens; daß in ihm, jede gute Gabe und jedes gute Prin-
cip existiren; und daß er der Vater des Lichtes ist; in ihm be-
steht das Princip des Glaubens unabhängig, und er ist der Ge-
genstand, auf welchem der Glaube aller anderen, vernünftigen
und verantwortlichen Wesen zur Erlangung des Lebens und
der Seligkeit, ruht.
3.  Um diesen Teil des Gegenstandes in einem klaren und
deutlichen Lichte darzustellen, ist es notwendig, zurückzugehen
und die Beweisgründe zu zeigen, welche das Menschengeschlecht
für ihren Glauben an das Dasein eines Gottes hatte, und was
die Grundlage für solche Beweisgründe war oder worauf sie seit
der Schöpfung beruhten.
4.  Wir meinen nicht jene Beweise, welche durch die Werke
der Schöpfung, die wir täglich mit unseren natürlichen Augen
sehen, kundgemacht werden. Wir sind bewußt, daß nach einer
Offenbarung Jesu Christi, die Werke der Schöpfung durch ihre
unermeßlichen Formen und Verschiedenheiten, seine ewige Macht
und Gottheit deutlich darstellen. „Damit daß Gottes unsicht-
bares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird er-
sehen, so man deß wahrnimmt, an den Werken nämlich an der
Schöpfung der Welt.“ Aber wir meinen jene Beweise, durch
welche die Menschen ihre ersten Begriffe bekamen, daß es einen
Gott gab, der alle Dinge erschuf.
10
Zweite Vorlesung über Glauben.
Ueber die Erschaffung und Bevölkerung der Erde.

5.  Wir werden jetzt fortfahren, die Lage des Menschen bei
seiner ersten Schöpfung zu betrachten. Der Geschichtsschreiber
Moses hat uns im ersten Kapitel des ersten Buches Mosis vom
20sten bis zum 30sten Verse den folgenden Bericht von IHM ge-
geben. Wir geben es nach der neuen Uebersetzung:
6.  „Und ich, Gott, sagte zu meinem Eingeborenen, der vom
Anfang bei mir war, ‚Lasset uns den Menschen machen, uns
zum Bilde, nach unserem Ebenbild‘; und es geschah.
7.  „Und ich, Gott, sagte, ‚Lasset sie herrschen über die
Fische des Meeres und über die Vögel in der Luft, und über das
Vieh und über die ganze Erde und über jedes kriechende Ding,
das auf der Erde kriecht‘.
8.  „So schuf ich, Gott, den Menschen nach meinem Eben-
bilde, nach dem Bilde meines Eingeborenen schuf ich ihn, männ-
lichen und weiblichen Geschlechtes schuf ich sie. Und ich, Gott,
segnete sie, und sagte zu ihnen, ‚Seid fruchtbar und vermehret
euch, und füllet die Erde und macht sie unterthan; und herrschet
über die Fische des Meeres und über die Vögel in der Luft
und über jedes lebendige Ding, das auf der Erde sich bewegt‘.
9.  „Und ich, Gott, sprach zum Menschen, ‚Sehet, ich habe
euch jedes samentragende Kraut, welches auf der ganzen Erde
ist, gegeben, und jeden Baum, auf welchem die Frucht eines sa-
mentragenden Baumes enthalten ist; euch soll es zur Nahrung
dienen‘.“
10.  Wiederum 1. Mos. 2: 15, 16, 17, 19, 20: „Und ich,
Gott, der Herr machte den Menschen und stellte ihn in den Gar-
ten Eden, ihn zu bearbeiten und zu bewahren. Und ich, Gott,
der Herr, befahl dem Menschen und sagte, ‚Von allen Bäumen
des Gartens darfst du essen; doch von dem Baume der Erkennt-
nis des Guten und Bösen mußt du nicht essen; nichtsdesto-
weniger magst du für dich selbst wählen, denn dieses Recht ist
dir gegeben; doch erinnere dich, daß ich es verbiete, denn, wel-
ches Tages du davon issest, wirst du sicher sterben.
11.  „Und aus der Erde bildete ich, Gott der Herr, jedes
Tier des Feldes und jeden Vogel des Himmels und befahl, daß
sie zu Adam gebracht werden sollten, zu sehen, was er sie nennen
würde. – Und was immer Adam jede lebendige Kreatur
11
Zweite Vorlesung über Glauben.
Der Fall Adams und die Vertreibung aus dem Garten Eden.

nannte, das wurde der Name derselben. Und Adam gab Namen
allem Vieh und den Vögeln des Himmels und jedem Tier des
Feldes.“
12.  Aus dem Vorhergehenden erfahren wir die Lage des
Menschen bei seiner ersten Erschaffung, die Kenntnis, mit wel-
cher er begabt war und die hohe und erhabene Stellung, in
welcher er, als Herr oder Regent aller Dinge auf Erden gesetzt
wurde; während er zur selben Zeit sich eines Verkehrs und einer
Verbindung mit seinem Schöpfer erfreute, ohne durch einen
Vorhang von ihm getrennt zu sein. Wir wollen zunächst fort-
fahren und den Bericht betrachten, welcher von seinem Fall
und seiner Vertreibung aus dem Garten Eden und aus der
Gegenwart Gottes gegeben wird.
13.  Moses fährt fort: „Und sie (Adam und Eva) hörten
die Stimme Gottes des Herrn, als sie im Garten in der Kühle
des Tages wandelten; und Adam und sein Weib verbargen sich
vor der Gegenwart Gottes des Herrn unter die Bäume des
Gartens. Und Gott der Herr rief Adam und sagte zu ihm,
‚Wohin gehest du?‘ Und er sagte, ‚Ich hörte deine Stimme im
Garten und fürchtete und verbarg mich, weil ich sahe, daß ich
nackend war.‘
14.  „Und ich, Gott der Herr, sagte zu Adam, ‚Wer hat dir
gesagt, daß du nackend bist? Hast du von dem Baume gegessen,
von welchem ich dir gesagt habe, daß du nicht essen solltest? Ist
dem so, so sollst du sicherlich sterben!‘ Und der Mann sagte,
‚Das Weib, welches du mir gabst und befahlst, daß sie bei mir
bleiben sollte, gab mir von der Frucht des Baumes und
ich aß.‘
15.  „Und ich, Gott der Herr, sagte zum Weibe, ‚Was ist es,
das du gethan hast?‘ Und das Weib sagte, ‚Die Schlange hat
mich verführt und ich aß.‘
16.  „Und wiederum sagte der Herr zum Weibe: ‚Ich will
deine Schmerzen und deine Empfängnis sehr vermehren. In
Schmerzen sollst du Kinder hervorbringen und deine Neigung
soll zu deinem Manne sein und er soll über dich herrschen‘.
17.  „Und ich, Gott der Herr, sagte zu Adam, ‚Weil du der
Stimme deines Weibes Gehör gegeben und von der Frucht des
12
Zweite Vorlesung über Glauben.
Beim Fall verlor Adam die Kenntnis Gottes nicht.

Baumes von welchem ich dir sagte nicht zu essen, gegessen hast,
verflucht sei der Erdboden um deinetwillen; mit Kummer sollst
du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln
soll er dir hervorbringen und du sollst das Kraut des Feldes
essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen,
bis du zur Erde zurückkehrst – denn du wirst sicherlich sterben
– denn aus derselben bist du genommen worden; denn Staub
warst du, und zu Staub sollst du wieder werden‘.“ Diesem
folgte sogleich die Erfüllung dessen, was wir vorher gesagt ha-
ben. – Der Mensch wurde aus dem Garten Eden vertrieben
oder gesandt.
18.  Zwei wichtige Punkte werden durch die vorhergehenden
Anführungen gezeigt. Erstens, nachdem der Mensch erschaffen
war, wurde er nicht ohne Verstand oder Kenntnis gelassen, in
Dunkelheit zu wandeln und ein Dasein in Unwissenheit und
Zweifel hinzubringen über den großen und wichtigen Punkt,
welcher seine Glückseligkeit berührte, nämlich die wirkliche That-
sache, von wem er erschaffen oder wem er für seine Handlungen
verantwortlich war. Gott unterhielt sich mit ihm von Angesicht
zu Angesicht. Es wurde ihm erlaubt, in Gottes Gegenwart zu
stehen und von seinem eigenen Munde Belehrungen zu empfan-
gen. Er hörte seine Stimme, wandelte vor ihm, und schaute
seine Herrlichkeit, während er mit Erkenntnis erfüllt wurde
und im Stande war, der großen Versammlung der Werke sei-
nes Schöpfers Namen zu geben.
19.  Zweitens, haben wir gesehen, daß obgleich der Mensch
sündigte, seine Sünde ihn doch nicht seiner früheren Kenntnis,
mit welcher er, in Bezug auf das Dasein und die Herrlichkeit
seines Schöpfers, begabt war, raubte; denn sobald als er seine
Stimme hörte, suchte er sich vor seiner Gegenwart zu verbergen.
20.  Wir haben deshalb gezeigt, erstens, daß Gott anfing,
mit dem Menschen zu sprechen, sogleich nachdem er in dessen
Nase den Atem des Lebens geblasen hatte, und daß selbst nach
seinem Fall, Gott nicht aufhörte, sich ihm kund zu geben. Wir
werden zunächst zeigen, daß, obgleich der Mensch aus dem Gar-
ten Eden verstoßen worden war, seine Kenntnis von dem Da-
13
Zweite Vorlesung über Glauben.
Der Erlösungsplan und der Heiligen Geist im Anfang gegeben.

sein Gottes nicht verloren ging und auch Gott nicht aufhörte,
sich ihm kund zu geben.
21.  Wir geben zunächst die Geschichte der unmittelbaren
Offenbarung, welche der Mensch erhielt, nachdem er aus dem
Garten Eden vertrieben worden war und entnehmen aus der
neuen Uebersetzung wie folgt:
22.  Nachdem Adam aus dem Garten vertrieben worden
war, „fing er an, die Erde zu bebauen, über alle Tiere des Fel-
des Herrschaft zu haben und sein Brod im Schweiße seines An-
gesichts zu essen, wie ich der Herr ihm befohlen hatte;
und er rief den Namen des Herrn an und so that auch
sein Weib Eva. Und sie hörten die Stimme des Herrn
von der Richtung des Gartens Eden, zu ihnen sprechen
und sie sahen ihn nicht, denn sie waren von seiner Ge-
genwart ausgeschlossen; jedoch gab er ihnen Gebote, daß
sie den Herrn ihren Gott anbeten, und die Erstlinge
ihrer Herden dem Herrn als ein Opfer darbringen sollten. Und
Adam gehorchte den Befehlen des Herrn.
23.  „Und nach vielen Tagen erschien ein Engel des Herrn
dem Adam und sprach, ‚Warum opferst du dem Herrn?‘ Und
Adam sagte zu ihm, ‚Ich weiß es nicht, doch hat mir der Herr
geboten, Opfer darzubringen.‘
24.  „Und der Engel sagte zu ihm, ‚Dieses Ding ist ein
Sinnbild des Eingeborenen des Vaters, welcher ist voll Gnade
und Wahrheit. Und Alles, was du thust, das sollst du im Namen
des Sohnes thun und du mußt Buße thun und Gott in seinem
Namen immerdar anrufen.‘ An jenem Tage fiel der Heilige
Geist auf Adam und zeugte vom Vater und Sohn.“
25.  Diese letzte Stelle oder Zusammenfassung, zeigt die
wichtige Thatsache, daß obgleich unsere ersten Eltern aus dem
Garten Eden vertrieben und selbst von der Gegenwart Gottes
durch einen Schleier getrennt waren, so behielten sie doch eine
Kenntnis seines Daseins, wie genügend war, sie zu bewegen, ihn
anzurufen; und ferner, daß sobald als der Plan der Erlösung
dem Menschen offenbar wurde und er anfing den Herrn anzu-
rufen, der Heilige Geist gegeben wurde, welcher vom Vater
und Sohn zeugte.
14
Zweite Vorlesung über Glauben.
Cains Ungerechtigkeit und seine Strafe dafür.

26.  Moses gibt uns auch, im 4ten Kapitel seines ersten
Buches, einen Bericht von der Uebertretung Cains und der Ge-
rechtigkeit Abels und von den Offenbarungen Gottes zu ihnen.
Er sagt: „Im Verlauf der Zeit brachte Cain dem Herrn aus
den Früchten des Landes ein Opfer dar. Abel brachte aus den
Erstlingen seiner Herde, und aus dem Fette derselben. Und der
Herr hatte Wohlgefallen an Abel und seinem Opfer, doch weder
Cain noch seine Opfer waren ihm wohlgefällig. Satan wußte
dies und es gefiel ihm wohl. Und Cain wurde sehr zornig und
sein Angesicht war finster. Und der Herr sagte zu Cain, ‚Wa-
rum bist du zornig? Warum ist dein Angesicht finster gewor-
den? Wenn du recht thust, wirst du angenommen werden. Wenn
du nicht recht thust, so ruht die Sünde vor deiner Thüre und
Satan sucht dich zu besitzen, und wenn du meinen Befehlen nicht
gehorchst, so will ich dich überliefern, und es dir nach seinem
Wunsche gehen lassen.‘
27.  „Und Cain ging ins Feld und sprach mit seinem Bru-
der Abel. Und während sie im Felde waren, stand Cain gegen
seinen Bruder Abel auf und erschlug ihn. Und Cain freute sich
seiner That und sagte, ‚Ich bin frei, sicherlich werden jetzt die
Herden meines Bruders in meine Hände fallen.‘
28.  „Doch sprach der Herr zu Cain, ‚Wo ist Abel, dein
Bruder?‘ Und er sagte, ‚Ich weiß es nicht. Bin ich meines
Bruders Hüter?‘ Und der Herr sagte, ‚Was hast du gethan?
Die Stimme des Blutes deines Bruders schreiet zu mir von der
Erde. Und jetzt sollst du von der Erde verflucht sein, die ihren
Mund aufgethan hat das Blut deines Bruders von deiner Hand
zu empfangen. Wenn du den Erdboden bebauen wirst, wird er
dir hinfort seine Kraft nicht geben. Ein Flüchtling und Land-
streicher sollst du auch auf der Erde werden.‘
29.  „Und Cain sagte zum Herrn, ‚Satan versuchte mich,
wegen der Herden meines Bruders. Und ich war auch zornig,
denn sein Opfer wurde angenommen und das Meinige nicht.
Meine Strafe ist größer, als ich sie ertragen kann. Siehe, diesen
Tag hast du mich vom Angesichte des Herrn vertrieben, und
ich werde ein Flüchtling und Landstreicher auf der Erde sein;
und es wird sich ereignen, daß jedermann, der mich findet
15
Zweite Vorlesung über Glauben.
Wie der Mensch mit dem Dasein Gottes bekannt wurde.

wird mich meiner Sünden willen erschlagen, denn diese Dinge
sind vor dem Herrn nicht verborgen.‘ Und der Herr sagte zu
ihm, ‚Deshalb wer dich erschlägt, an demselben soll es sieben-
fältig gerochen werden.‘ Und ich der Herr setzte auf Cain ein
Zeichen, damit nicht jemand, der ihn finden würde, ihn töte‘.“
30.  Die Absicht der Anführung der obigen Stellen ist,
dieser Klasse die Art und Weise zu zeigen, auf welche das Men-
schengeschlecht mit dem Dasein Gottes bekannt wurde; daß es
durch eine Kundgebung Gottes an den Menschen geschah, und,
das nach der Uebertretung des Menschen Gott fortfuhr, sich ihm
und seinen Nachkommen zu offenbaren, und daß obgleich sie von
seiner unmittelbaren Gegenwart getrennt waren, und sein Ge-
sicht nicht sehen konnten, sie doch nachher seine Stimme hörten.
31.  Adam der auf diese Weise mit Gott bekannt wurde,
teilte diese Kenntnis seinen Nachkommen mit, und dadurch war
es, daß der Gedanke von dem Dasein eines Gottes, welcher
ihnen die Grundlage zur Uebung ihres Glaubens legte, durch
welchen sie eine Kenntnis seines Charakters, sowie auch seiner
Herrlichkeit erlangen konnten, zuerst in ihren Herzen auftauchte.
32.  Nicht allein hatte Adam einen Beweis des Daseins
Gottes, sondern Moses erzählt uns, wie oben angeführt, daß
Gott sich herabließ mit Cain, nach der großen Uebertretung des
Erschlagens seines Bruders, zu reden, und daß Cain wußte,
daß es der Herr war, der mit ihm redete; so daß er, obschon
aus der Gegenwart seiner Brüder vertrieben, eine Kenntnis
von dem Dasein eines Gottes mit sich trug, und ohne Zweifel
wurden auf diese Weise, seine Nachkommen von dem Dasein
eines Gottes unterrichtet.
33.  Daraus sehen wir, daß die ganze menschliche Familie
auf der ersten Stufe ihres Daseins in allen ihren verschiedenen
Verzweigungen, jene Kenntnis unter sich ausgebreitet hatte, so
daß das Dasein Gottes in dem frühen Zeitalter der Welt ein
Gegenstand des Glaubens wurde. Daher rührten die Beweise,
welche jene Menschen von dem Dasein eines Gottes hatten, in
erster Linie, von dem Zeugnisse ihrer Väter her.
34.  Die Ursache, warum wir diesen Teil unseres Gegen-
standes so genau auseinandergesetzt haben, ist, daß diese Klasse
16
Zweite Vorlesung über Glauben.
Das erste Zeugnis von Gott durch mündliche Ueberlieferung.

sehen möchte, durch welche Mittel Gott, nach dem Sündenfalle,
ein Gegenstand des Glaubens unter den Menschen wurde, und
was es war, das den Glauben der Mengen anregte, ihm nach-
zuforschen, nach einer Kenntnis seines Charakters, seiner Voll-
kommenheiten und Eigenschaften zu suchen, bis sie umfassend
mit ihm bekannt wurden und nicht nur mit ihm verkehrten
und seine Herrlichkeit sahen, sondern, auch Teilhaber seiner
Macht werden und in seiner Gegenwart stehen konnten.
35.  Diese Klasse sollte besonders beobachten, daß das
Zeugnis, welches diese Männer von dem Dasein eines Gottes
hatten, das Zeugnis des Menschen war; denn ehe noch die
Nachkommen Adams eine Kundgebung Gottes für sich selbst
erhielten, hatte Adam, ihr gemeinschaftlicher Vater, ihnen
Zeugnis von dem Dasein Gottes und seiner ewigen Macht und
Gottheit gegeben.
36.  Zum Beispiel: Abel hatte, ehe er die Versicherung vom
Himmel empfing, daß seine Opfer Gott angenehm waren, von
seinem Vater die wichtige Kunde von dem Dasein eines solchen
Wesens, welches alle Dinge erschaffen hatte und sie aufrecht er-
hält, empfangen. Auch kann niemand daran zweifeln, daß
Adam die erste Person war, welche jene Kenntnis seinen Nach-
kommen mitteilte und daß der ganze Glaube der Welt, von jener
Zeit bis auf die gegenwärtige, in einem gewissen Grade von
der Kenntnis abhängig ist, welche ihnen zuerst von ihrem ge-
meinschaftlichen Vorvater mitgeteilt wurde. So wurde sie bis
auf den Tag und das Geschlecht, in welchem wir leben, herab-
gehändigt, wie wir aus dem Inhalt der heiligen Urkunden zei-
gen werden.
37.  Zuerst, Adam war 130 Jahre alt, als Seth geboren
wurde. 1. Mos. 5: 3. Und die Tage Adams nachdem er Seth
gezeugt hatte, waren 800 Jahre, so daß er 930 Jahre alt war,
als er starb (Vers 4, 5). Seth war 105 Jahre alt, als Enos
geboren wurde (Vers 6); Enos war 90, als Kenan ge-
boren wurde (Vers 9); Kenan war 70, als Mahalaleel geboren
wurde (Vers 12); Mahalaleel war 65, als Jared geboren wurde
(Vers 15); Jared war 162, als Enoch geboren wurde (Vers
18); Enoch war 65, als Methusalah geboren wurde (Vers 21);
17
Zweite Vorlesung über Glauben.
Lebensalter der Propheten von Adam bis Noah.

Methusalah war 187, als Lamech geboren wurde (Vers 25);
Lamech war 182, als Noah geboren wurde (Vers 28).
38.  Nach diesem Berichte erhellt es, daß Lamech, der
neunte von Adam und der Vater Noahs, 56 Jahre alt war, als
Adam starb; Methusalah, 243; Enoch, 308; Jared, 470; Maha-
laleel, 535; Kenan, 605; Enos, 695 und Seth, 800. –
39.  So daß Lamech, der Vater Noahs, Methusalah, Enoch,
Jared, Mahalaleel, Kenan, Enos, Seth und Adam alle zur sel-
ben Zeit lebten, und ohne allen Zweifel alle Prediger der Ge-
rechtigkeit waren.
40.  Moses berichtet weiterhin, daß Seth, nachdem er Enos
zeugte, 807 Jahre lebte, so daß er 912 Jahre alt war, als er
starb. 1. Mos. 5: 7, 8. Enos lebte, nachdem er Kenan zeugte,
815 Jahre und war 905 Jahre alt, als er starb. (Vers 10, 11).
Kenan lebte, nachdem er Mahalaleel zeugte, 840 Jahre und
starb in dem Alter von 910 Jahren (Vers 13, 14). Mahalaleel
lebte, nachdem er Jared zeugte, 830 Jahre, so daß er 895 Jahre
alt war zur Zeit seines Todes (Vers 16, 17). Jared lebte, nach-
dem er Enoch zeugte, 800 Jahre und war 962 Jahre alt, als er
starb (Vers 19, 20). Und Enoch wandelte mit Gott, nachdem er
Methusalah zeugte, 300 Jahre und war daher 365 Jahre alt,
zur Zeit seiner Hinwegnahme von der Erde (Vers 22, 23).*)
Methusalah lebte, nachdem er Lamech zeugte, 782 Jahre, war
daher 969 Jahre alt, als er starb (Vers 26, 27). Lamech lebte,
nachdem er Noah zeugte, 595 Jahre und war 777 Jahre alt,
als er starb (Vers 30, 31).
41.  Diesem Berichte gemäß, starb Adam im 930sten Jahre
der Welt; Enoch wurde von der Erde genommen im 987sten;
Seth starb im 1042sten; Enos im 1140sten; Kenan im 1235sten;
Mahalaleel im 1290sten; Jared im 1422sten; Lamech im
1651sten und Methusalah im 1656sten Jahre der Welt, in welch‘
letzterem sich die Sündflut ereignete. –
42.  So daß Noah 84 Jahre alt war, als Enos starb; 176,
als Kenan starb; 234, als Mahalaleel starb; 366, als Jared
starb; 595, als Lamech starb, und 600, als Methusalah starb.
______________________________________________
*) Nach dem alten Testamente. Um Enochs Alter siehe Lehre und Bünd-
nisse, Abschnitt 107: 49.
18
Zweite Vorlesung über Glauben.
Geburtszeitrechnung der Propheten von Noah bis Abraham.

43.  Wir können daraus sehen, daß Enos, Kenan, Mahala-
leel, Jared, Methusalah, Lamech und Noah, alle zur selben Zeit
auf der Erde lebten; und daß Enos, Kenan, Mahalaleel, Ja-
red, Methusalah und Lamech alle mit Adam und Noah be-
kannt waren.
44.  Aus dem Vorhergehenden ist leicht zu ersehen, nicht
nur auf welche Weise die Kenntnis Gottes in die Welt kam, son-
dern auch nach welchem Princip sie erhalten blieb; daß von der
Zeit ihrer ersten Mitteilung sie in den Herzen gerechter Män-
ner aufbewahrt wurde, die nicht nur ihre eigenen Nachkommen
belehrten, sondern auch die Welt; so daß es keiner neuen Offen-
barung von Adams Schöpfung bis auf Noah bedurfte, ihnen
die erste Idee oder den ersten Begriff von dem Dasein eines
Gottes zu geben; und nicht allein irgend eines Gottes, sondern
des wahren und lebendigen Gottes.
45.  Da wir die Zeitrechnung der Welt von Adam bis auf
Noah aufgezeichnet haben, so wollen wir auch weiterhin die-
jenige von Noah bis auf Abraham niedersetzen. Noah war 502
Jahre alt, als ihm Sem geboren wurde; 98 Jahre später ereig-
nete sich die Sündflut, im 600sten Lebensjahre Noahs. Noah
lebte nach der Sündflut 350 Jahre, war daher 950 Jahre alt,
als er starb. 1. Mos. 9: 28, 29.
46.  Sem war 100 Jahre alt, als Arphachsad geboren
wurde; 1. Mos. 11: 10. Arphachsad war 35, als Salah geboren
wurde (Vers 12); Salah war 30, als Eber geboren wurde (V.
14); Eber war 34, als Peleg geboren wurde, zu dessen Zeit die
Erde zerteilt wurde (V. 16); Peleg war 30, als Regu geboren
wurde (V. 18); Regu war 32, als Serug geboren wurde
(V. 20); Serug war 30, als Nahor geboren wurde (V. 22); Na-
hor war 29, als Tharah geboren wurde (V. 24); Tharah war
70; als Haran und Abram geboren wurden (V. 26).
47.  Der Bericht, welchen Moses von der Geburt Abra-
hams gibt ist etwas schwierig zu verstehen. Einige ver-
muten, daß Abraham nicht geboren wurde, bis Tharah 130
Jahre alt war. Dieser Schluß wird aus verschiedenen Schrift-
stellen gezogen, deren Anführung unserem Zweck nicht besonders
19
Zweite Vorlesung über Glauben.
Lebensalter derselben Propheten.

dienen würde; auch ist es nicht von besonderer Wichtigkeit, ob
Abraham geboren wurde, als Tharah 70 oder 130 Jahre alt
war. Doch daß niemand einen Zweifel haben möchte in Bezug
auf den Gegenstand, welcher unmittelbar vor uns liegt, so
wollen wir in der Darstellung dieser Zeitrechnung die Zeit der
Geburt Abrahams auf die späteste Periode hinausstellen, das
ist, als Tharah 130 Jahre alt war. Nach dieser Rechnung er-
scheint es, daß von der Sündflut bis auf die Geburt Abrahams
352 Jahre verflossen waren.
48.  Moses erzählt uns, daß Sem, nachdem er Arphachsad
zeugte, 500 Jahre lebte (1. Mos. 11: 11); fügt man diesen,
100 Jahre hinzu, welches sein Alter war, als Arphachsad ge-
boren wurde, so war er 600 Jahre alt, als er starb. Arphachsad
lebte, nachdem er Salah zeugte, 403 Jahre (V. 13); fügt man
diesen, 35 Jahre hinzu, welches sein Alter war, als Salah ge-
boren wurde, so ersehen wir, daß er 438 Jahre alt war, als er
starb. Salah lebte, nachdem er Eber zeugte, 403 Jahre (V. 15);
fügt man diesen, 30 Jahre hinzu, welches sein Alter war, als
Eber geboren wurde, so zeigt es sich, daß er 433 Jahre alt war,
als er starb. Eber lebte, nachdem er Peleg zeugte, 430 Jahre
(V. 17); 34 Jahre hinzugefügt, welches sein Alter war, als
Peleg geboren wurde, macht ihn 464 Jahre alt. Peleg lebte
209 Jahre, nachdem er Regu zeugte (V. 19); 30 Jahre hinzu-
gefügt, welches sein Alter war, als Regu geboren wurde, ergibt
für ihn ein Alter von 239 Jahren, als er starb. Regu lebte,
nachdem er Serug zeugte, 207 Jahre (V. 21); 32 Jahre hin-
zugefügt, welches sein Alter war, als Serug geboren wurde,
stellt sein Alter zur Zeit seines Todes auf 239 Jahre hin. Serug
lebte 200 Jahre, nachdem er Nahor zeugte, (V. 23); 30 Jahre
hinzugefügt, welches sein Alter war, als Nahor geboren wurde,
ergibt für ihn ein Alter von 230 Jahren, als er starb. Nahor
lebte, nachdem er Tharah zeugte, 119 Jahre (V. 25); 29 Jahre
hinzugefügt, welches sein Alter war, als Tharah geboren
wurde, ergibt für ihn ein Alter von 148 Jahren, als er starb.
Tharah war 130 Jahre alt, als Abraham geboren wurde und
man vermutet, daß er 75 Jahre nach dessen Geburt gelebt habe,
was sein Alter auf 205 Jahre setzt als er starb.
20
Zweite Vorlesung über Glauben.
Alle diese, von Noah bis Abraham lebten zur gleichen Zeit.

49.  Dieser letzten Rechnung gemäß, starb Peleg im
1996sten Jahre der Welt, Nahor im 1997sten und Noah im
2006ten; so daß Peleg, in dessen Tagen die Erde zerteilt wurde,
und Nahor, der Großvater Noahs, beide vor Noah starben, –
der erstere im Alter von 239 Jahren, der letztere im Alter von
148 Jahren, – und wer kann nicht leicht sehen, daß sie eine
lange und vertraute Bekanntschaft mit Noah gehabt haben
müssen?
50.  Regu starb im 2026sten Jahre der Welt, Serug im
2049sten, Tharah im 2083sten, Arphachsad im 2096sten, Salah
im 2126sten, Sem im 2158sten, Abraham im 2183sten, und Eber
im 2187sten, was vier Jahre nach Abrahams Tode war. Und
Eber war der vierte von Noah.
51.  Nahor, der Bruder Abrahams war 58 Jahre alt, als
Noah starb, Tharah 128, Serug 187, Regu 219, Eber 283, Sa-
lah 313, Arphachsad 344 und Sem 448.
52.  Aus diesem Berichte wird es deutlich, daß Nahor, der
Bruder Abrahams, Tharah, Nahor, Serug, Regu, Peleg, Eber,
Salah, Arphachsad, Sem und Noah, alle zu gleicher Zeit auf
der Erde lebten; und daß Abraham 18 Jahre alt war, als Regu
starb, 41, als Serug und sein Bruder Nahor starben, 75, als
Tharah starb, 88, als Arphachsad starb, 118, als Salah starb,
150, als Sem starb und daß Eber vier Jahre nach Abrahams
Tod lebte; ferner daß Sem, Arphachsad, Salah, Eber, Regu,
Serug, Tharah und Nahor, der Bruder Abrahams, und Abra-
ham zur selben Zeit lebten; und daß Nahor, der Bruder Abra-
hams, Tharah, Serug, Regu, Eber, Salah, Arphachsad und
Sem, alle mit Noah und Abraham bekannt waren.
53.  Wir haben jetzt die Zeitrechnung der Welt von Adam
bis Abraham dem Berichte gemäß, welcher uns in unserer ge-
genwärtigen Bibel gegeben wird, aufgezeichnet, und haben deut-
lich festgestellt, ohne die Möglichkeit eines Widerspruches, daß
es nicht schwierig war, die Kenntnis Gottes von der Schöpfung
Adams an und die Kundgebungen, welche seinen unmittelbaren
Nachkommen gegeben worden, wie in dem ersteren Teile dieser
21
Zweite Vorlesung über Glauben.
Principien durch vorhergehende Anführungen festgestellt.

Vorlesung angeführt wurde, auf der Erde zu bewahren; so daß
die Schüler dieser Klasse keinen Zweifel über diesen Gegen-
stand zu haben brauchen, denn sie können leicht sehen, daß es
unmöglich anders sein konnte, als daß die Kenntnis von dem
Dasein eines Gottes, vom Vater auf den Sohn, wenigstens auf
die Art einer mündlichen Ueberlieferung sich fortpflanzte. Denn
wir können nicht vermuten, daß die Kenntnis dieser wichtigen
Thatsache, in den Herzen irgend welcher von den obenerwähn-
ten Männern hätte bestehen können, ohne daß sie dieselbe ihren
Nachkommen mitgeteilt hätten.
54.  Wir haben jetzt gezeigt, wie es war, daß der erste Ge-
danke von dem Dasein eines Gottes, welcher alle Dinge er-
schaffen und erhalten hat, jemals im Herzen irgend einer Per-
son auftauchte; daß es in Folge der Offenbarungen war, welche
er zuerst unserem Vater Adam gab, als er zur Zeit seiner
Schöpfung in seiner Gegenwart stand, und mit ihm von An-
gesicht zu Angesicht redete.
55.  Wir wollen hier bemerken, daß nachdem irgend Teile
der menschlichen Familie und der wichtigen Thatsache des Da-
seins eines Gottes, welcher alle Dinge erschaffen und erhalten hat,
bekannt gemacht worden sind, der Umfang ihrer Erkenntnis, in
Bezug auf seinen Charakter und seine Herrlichkeit, von ihrem
Fleiß und ihrer Treue mit welcher sie ihn suchen, abhängen
wird, bis sie gleich wie Enoch, wie der Bruder Jareds und Mo-
ses Glauben an Gott und Macht von ihm erhalten werden ihn
von Angesicht zu Angesicht zu schauen.
56.  Wir haben jetzt deutlich gezeigt, wie es ist und wie
es war, daß Gott einen Gegenstand des Glaubens für vernünf-
tige Wesen wurde, und auch auf welcher Grundlage das Zeug-
nis ruhte, welches eine Nachfrage und fleißige Forschung in
den alten Heiligen erweckte, eine Kenntnis der Herrlichkeit des
Herrn zu suchen und zu erlangen. Wir haben ersehen, daß es
menschliches Zeugnis allein war, welches zuerst diese Nach-
forschung in ihren Herzen hervorrief.
Es war die Glaubwürdigkeit, mit der sie die Zeugnisse ihrer
22
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Väter betrachteten und welche ihre Geister anregte nach der
Kenntnis Gottes zu suchen; jene Nachforschung endigte häufig
und in der That immer, wenn sie recht nachgestrebt wurde, mit
den herrlichsten Offenbarungen und einer ewigen Gewißheit.



_______




Fragen und Antworten über die vorhergehenden Principien.

Gibt es ein Wesen, welches Glauben an sich selbst, auf eine
unabhängige Weise hat?
Ja.
Wer ist es? Es ist Gott.
Wie kann man beweisen, daß Gott Glauben an sich selbst
auf eine unabhängige Weise hat? Weil er allmächtig, allgegen-
wärtig und allwissend ist, ohne Anfang der Tage oder Ende
des Lebens und in ihm alle Fülle wohnt. „Welche da ist sein
Leib, nämlich die Fülle deß der Alles in Allem erfüllet.“ Ephes.
1: 23. „Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle
Fülle wohnen sollte.“ Colosser 1: 19. Vorlesung 2: 2.
Ist er der Gegenstand, in welchem der Glaube aller ande-
ren vernünftigen und verantwortlichen Wesen, des Lebens und
der Erlösung halber, seinen Mittelpunkt hat? Ja!
Wie wird es bewiesen? „Wendet euch zu mir, so werdet
ihr selig, aller Welt Ende, denn ich bin Gott und keiner mehr.“
Jes. 45: 22. „Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder
wer ist sein Rhatgeber gewesen? Oder, wer hat ihm etwas zu-
vor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm
und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in
Ewigkeit. Amen.“ Römer 11: 34–36. „Zion, du Predigerin,
(oder o du die Zion gute Nachricht bringt), steige auf einen
23
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

hohen Berg. Jerusalem, du Predigerin, (oder o du die Jeru-
salem gute Nachricht bringt), hebe deine Stimme auf mit
Macht, hebe auf, und fürchte dich nicht; sage den Städten Ju-
das: Siehe, da ist euer Gott. Denn siehe, der Herr kommt ge-
waltiglich (oder gegen die Starken); und sein Arm wird herr-
schen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm und seine Vergeltung ist vor
ihm (oder Lohn für seine Arbeit). Er wird seine Herde weiden,
wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln
und in seinem Busen tragen und die Schafmütter führen. Wer
misset die Wasser mit der Faust, und fasset den Himmel mit der
Spanne und begreift die Erde mit einem Dreiling, und wiegt
die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Wage?
Wer unterrichtet den Geist des Herrn und welcher Ratgeber un-
terweiset ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe
und lehre ihn den Weg des Rechts, und lehre ihn die Erkennt-
nis, und unterweise ihn den Weg des Verstandes? Siehe, die
Heiden sind geachtet, wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und
wie ein Scherflein, so in der Wage bleibt. Siehe, die Inseln
sind wie ein Stäublein. Der Libanon wäre zu gering zum
Feuer, und seine Tiere zu gering zum Brandopfer. Alle Hei-
den sind vor ihm nichts, und wie ein Nichtiges und Eiteles ge-
achtet.“ Jes. 40: 9–17. „Der (der Herr) die Erde durch seine
Kraft gemacht hat, und den Weltkreis, durch seine Weisheit
bereitet und den Himmel ordentlich zugerichtet. Wenn er don-
nert, so ist da Wasser die Menge, unter dem Himmel; er
zieht die Nebel auf vom Ende der Erde; er macht die Blitze im
Regen und läßt den Wind kommen aus heimlichen Oertern.“
Jeremia 51: 15, 16. „So haben wir doch nur einen Gott, den
Vater, von welchem alle Dinge sind und wir in ihm; und einen
Herrn, Jesum Christum, durch welchen alle Dinge sind und wir
durch ihn.“ 1. Corith. 8: 6. Vorlesung 2: 2.
Wie kamen die Menschen zuerst zur Erkenntnis des Da-
seins eines Gottes, so daß sie Glauben an ihn haben konnten?
Um diese Frage zu beantworten, wird es notwendig sein, zu-
rückzugehen und den Menschen zur Zeit seiner Erschaffung zu
betrachten, die Umstände, in welchen er sich befand und die
Kenntnis, welche er von Gott hatte. Vorlesung 2: 3–11.
24
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Erstens, als der Mensch erschaffen war, so stand er in der
Gegenwart Gottes. 1. Mos. 1: 27, 28. Hieraus lernen wir,
daß der Mensch zur Zeit der Schöpfung in der Gegenwart
Gottes stand und die vollkommenste Kenntnis seines Daseins
hatte. Zweitens, redete Gott mit ihm nach seiner Uebertre-
tung. 1. Mos. 3: 8–22. Vorlesung 2: 13–17. Daraus ler-
nen wir, daß obgleich der Mensch sündigte, er doch seine frü-
here Kenntnis von dem Dasein Gottes nicht verlor. Vorlesung
2: 19. Drittens, Gott sprach mit dem Menschen, nachdem er
ihn aus dem Garten Eden vertrieben hatte. Vorlesung 2:
22–25. Viertens, sprach Gott auch zu Cain, nachdem er Abel
erschlagen hatte. 1. Mos. 4: 4–6. Vorlesung 2: 26–29.
Was ist der Zweck der vorhergehenden Anführungen? Um
deutlich zu zeigen, auf welche Weise sich die ersten Gedanken
in Bezug auf das Dasein Gottes unter den Menschen ent-
wickelten, und wie ausgedehnt diese Kenntnis unter den un-
mittelbaren Nachkommen Adams ausgebreitet war. Vorlesung
2: 30–33.
Welches Zeugnis hatten die unmittelbaren Nachkommen
Adams als einen Beweis des Daseins Gottes? Das Zeugnis
ihres Vaters; nachdem ihnen durch dasselbe jenes Dasein be-
kannt gemacht worden war, hingen sie von der Uebung ihres
eigenen Glaubens ab, um eine Kenntnis seines Charakters,
seiner Vollkommenheiten und Eigenschaften zu erlangen. Vor-
lesung 2: 23–26.
Hatte irgend jemand der menschlichen Familie, außer
Adam, eine Kenntnis des Daseins Gottes, durch andere Mit-
tel zuerst, als die des menschlichen Zeugnisses? Nein. Denn
ehe sie Macht hatten, für sich selbst Offenbarungen zu erlan-
gen, so war ihnen schon die überaus wichtige Thatsache von
ihrem gemeinschaftlichen Vater mitgeteilt worden, und auf
diese Weise wurde die Kenntnis, vom Vater auf die Kinder ver-
pflanzt, so weit als die Erkenntnis seines Daseins bekannt
war; denn es war zuerst durch dieses Mittel, daß die Menschen
eine Kenntnis seines Daseins erhielten. Vorlesung 2: 35, 36.
Wie weiß man, daß die Kenntnis von dem Dasein Gottes
25
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

auf diese Weise, während der verschiedenen Zeitalter, mitge-
teilt wurde? Durch die Zeitrechnung, welche durch die Offen-
barungen Gottes erlangt worden ist.
Wie sollte jene Zeitrechnung eingeteilt werden, um sie
dem Verständnis klar zu machen? In zwei Teile – zuerst,
die Periode der Welt von Adam bis Noah, und zweitens, von
Noah bis Abraham, von welcher Zeit an die Kenntnis des Da-
seins Gottes so allgemein wurde daß es kein Gegenstand des
Streites ist, auf welche Weise der Begriff seines Daseins in
der Welt erhalten worden ist.
Wie viele bemerkenswerte gerechte Männer lebten von
Adam bis auf Noah? Neun, mit Einschluß Abels, welcher von
seinem Bruder erschlagen wurde.
Was sind ihre Namen? Abel, Seth, Enos, Kenan, Ma-
halaleel, Jared, Enoch, Methusalah und Lamech.
Wie alt war Adam, als Seth geboren wurde? Einhun-
dert und dreißig Jahre. 1. Mos. 5: 3.
Wie lange lebte Adam nach der Geburt Seths? Acht-
hundert Jahre. 1. Mos. 5: 4.
Wie alt war Adam, als er starb? Neunhundert und drei-
ßig Jahre alt. 1. Mos. 5: 5.
Wie alt war Seth, als Enos geboren wurde? Einhun-
dert und fünf Jahre. 1. Mos. 5: 6.
Wie alt war Enos, als Kenan geboren wurde? Neunzig
Jahre. 1. Mos. 5: 9.
Wie alt war Kenan, als Mahalaleel geboren wurde?
Siebenzig Jahre. 1. Mos. 5: 12.
Wie alt war Mahalaleel, als Jared geboren wurde?
Fünfundsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 15.
Wie alt war Jared, als Enoch geboren wurde? Einhun-
dert und zweiundsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 18.
Wie alt war Enoch, als Methusalah geboren wurde?
Fünfundsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 21.
Wie alt war Methusalah, als Lamech geboren wurde?
Einhundert und siebenundachtzig Jahre. 1. Mos. 5: 25.
26
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie alt war Lamech, als Noah geboren wurde? Einhun-
dert und zweiundachtzig Jahre. 1. Mos. 5: 28. Für diese
Zeitrechnung siehe Vorlesung 2: 37.
Wie lange war es nach dieser Rechnung von Adam bis
auf Noah? Eintausend und sechsundfünfzig Jahre.
Wie alt war Lamech, als Adam starb? Lamech der neunte
von Adam (einschließlich Abel) und Vater Noahs war sechs-
undfünfzig Jahre alt, als Adam starb.
Wie alt war Methusalah? Zweihundert und dreiund-
vierzig Jahre.
Wie alt war Enoch? Dreihundert und acht Jahre.
Wie alt war Jared? Vierhundert und siebenzig Jahre.
Wie alt war Mahalaleel? Fünfhundert und fünfund-
dreißig Jahre.
Wie alt war Kenan? Sechshundert und fünf Jahre.
Wie alt war Enos? Sechshundert und fünfundneunzig
Jahre.
Wie alt war Seth? Achthundert Jahre. Für diesen Teil
der Rechnung, siehe Vorlesung 2: 38.
Wie viele von diesen angesehenen Männern waren Zeit-
genossen mit Adam? Neun.
Was sind ihre Namen? Abel, Seth, Enos, Kenan, Maha-
laleel, Jared, Enoch, Methusalah und Lamech, Vorlesung
2: 39.
Wie lange lebte Seth nach der Geburt des Enos? Acht-
hundert und sieben Jahre. 1. Mos. 5: 7.
Wie alt war Seth, als er starb? Neunhundert und zwölf
Jahre. 1. Mos. 5: 8.
Wie lange lebte Enos, nachdem Kenan geboren wurde?
Achthundert und fünfzehn Jahre. 1. Mos. 5: 10.
Wie alt war Enos, als er starb? Neunhundert und fünf
Jahre. 1. Mos. 5: 11.
Wie lange lebte Kenan nach der Geburt Mahalaleels?
Achthundert und vierzig Jahre. 1. Mos. 5: 13.
27
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie alt war Kenan, als er starb? Neunhundert und
zehn Jahre. 1. Mos. 5: 14.
Wie lange lebte Mahalaleel nach der Geburt Jareds?
Achthundert und dreißig Jahre. 1. Mos. 5: 16.
Wie alt war Mahalaleel, als er starb? Achthundert und
fünfundneunzig Jahre. 1. Mos. 5: 17.
Wie lange lebte Jared nach der Geburt Enochs? Acht-
hundert Jahre. 1. Mos. 5: 19.
Wie alt war Jared, als er starb? Neunhundert und zwei-
undsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 20.
Wie lange wandelte Enoch mit Gott, nach der Geburt
Methusalahs? Dreihundert Jahre. 1. Mos. 5: 22.
Wie alt war Enoch, als er von der Erde genommen
wurde? Dreihundert und fünfundsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 23.
Wie lange lebte Methusalah nach der Geburt Lamechs?
Siebenhundert und zweiundachtzig Jahre. 1. Mos. 5: 26.
Wie alt war Methusalah, als er starb? Neunhundert
und neunundsechzig Jahre. 1. Mos. 5: 27.
Wie lange lebte Lamech nach der Geburt Noahs? Fünf-
hundert und fünfundneunzig Jahre. 1. Mos. 5: 30.
Wie alt war Lamech, als er starb? Siebenhundert und
siebenundsiebenzig Jahre. 1. Mos. 5: 31. Für den Bericht des
letzten Punktes siehe Vorlesung 2: 40.
In welchem Jahre der Welt starb Adam? Im neunhun-
dert und dreißigsten.
In welchem Jahre wurde Enoch der Erde entrückt?*)
Im neunhundert und siebenundachtzigsten.
In welchem Jahre starb Seth? Im eintausend und zwei-
undvierzigsten.
In welchem Jahre starb Enos? Im elfhundert und vier-
zigsten.
______________________________________________

*) Für Enochs Alter, siehe Lehre und Bündnisse, Abschnitt 107: 49.
28
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

In welchem Jahre starb Kenan? Im zwölfhundert fünf-
unddreißigsten.
In welchem Jahre starb Mahalaleel? Im zwölfhundert
und neunzigsten.
In welchem Jahre starb Jared? Im vierzehnhundert
und zweiundzwanzigsten.
In welchem Jahre starb Lamech? Im sechzehnhundert
und einundfünfzigsten.
In welchem Jahre starb Methusalah? Im sechzehnhun-
dert und sechsundfünfzigsten. Für diese Berechnung siehe Vor-
lesung 2: 41.
Wie alt war Noah, als Enos starb? Vierundachtzig
Jahre.
Wie alt, als Kenan starb? Einhundert neunundsiebenzig
Jahre.
Wie alt, als Mahalaleel starb? Zweihundert und vier-
unddreißig Jahre.
Wie alt, als Jared starb? Dreihundert und sechsund-
sechzig Jahre.
Wie alt, als Lamech starb? Fünfhundert und fünfund-
neunzig Jahre.
Wie alt, als Methusalah starb? Sechshundert Jahre.
Siehe Vorlesung 2: 42, für den letzten Punkt.
Wie viele dieser Männer lebten in den Tagen Noahs?
Sechs.
Was sind ihre Namen? Enos, Kenan, Mahalaleel, Ja-
red, Methusalah und Lamech. Vorlesung 2: 43.
Wie viele von diesen Männern waren Zeitgenossen mit
beiden, Adam und Noah? Sechs.
Was sind ihre Namen? Enos, Kenan, Mahalaleel, Ja-
red, Methusalah und Lamech. Vorlesung 2: 43.
Wie war nach dem vorhergehenden Berichte, die Kenntnis
von dem Dasein Gottes zuerst den Herzen der Menschen ein-
gegeben worden? Durch Offenbarung an unsern Vater
Adam, als er in der Gegenwart Gottes war, sowohl ehe, als
auch während er in Eden wohnte. Vorlesung 2: 44.
29
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie wurde die Kenntnis vom Dasein Gottes unter den
Einwohnern der Erde verbreitet? Durch mündliche Ueberlie-
ferung, vom Vater zum Sohne. Vorlesung 2: 44.
Wie alt war Noah, als Sem geboren wurde? Fünfhun-
dert und zwei Jahre. 1. Mos. 5: 32.
Wie lange war es von der Geburt Sems bis zur Sünd-
flut? Achtundneunzig Jahre.
Wie lange lebte Noah, nach der Sündflut? Dreihundert
undfünfzig Jahre. 1. Mos. 9: 28.
Wie alt war Noah, als er starb? Neunhundert und fünf-
zig Jahre. 1. Mos. 9: 29. Vorlesung 2: 45.
Wie alt war Sem, als Arphachsad geboren wurde? Ein–
hundert Jahre. 1. Mos. 11: 10.
Wie alt war Arphachsad, als Salah geboren wurde? Fünf–
unddreißig Jahre. 1. Mos. 11: 12.
Wie alt war Salah, als Eber geboren wurde? Dreißig
Jahre. 1. Mos. 11: 14.
Wie alt war Eber, als Peleg geboren wurde? Vierund-
dreißig Jahre. 1. Mos. 11: 16.
Wie alt war Peleg, als Regu geboren wurde? Dreißig
Jahre. 1. Mos. 11: 18.
Wie alt war Regu, als Serug geboren wurde? Zweiund-
dreißig Jahre. 1. Mos. 11: 20.
Wie alt war Serug, als Nahor geboren wurde? Dreißig
Jahre. 1. Mos. 11: 22.
Wie alt war Nahor, als Tharah geboren wurde? Neun-
undzwanzig Jahre. 1. Mos. 11: 24.
Wie alt war Tharah, als Nahor (der Vater Abrahams)
geboren wurde? Siebenzig Jahre. 1. Mos. 11: 26.
Wie alt war Tharah, als Abraham geboren wurde? Einige
vermuten einhundert und dreißig Jahre und Andere siebenzig.
1. Mos. 11: 26; Vorlesung 2: 46.
Wie viele Jahre verflossen zwischen der Sündflut und der
Geburt Abrahams? Angenommen, daß Abraham geboren
30
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

wurde, als Tharah einhundert und dreißig Jahre alt war, so
war es dreihundert und zweiundfünfzig Jahre; doch wurde er
geboren als Tharah siebenzig Jahre alt war, so war es zwei-
hundert und zweiundneunzig Jahre. Vorlesung 2: 47.
Wie lange lebte Sem nach der Geburt Arphachsads? Fünf-
hundert Jahre. 1. Mos. 11: 11.
Wie alt war Sem, als er starb? Sechshundert Jahre.
1. Mos. 11: 11.
Wie lange lebte Arphachsad nach der Geburt Salahs?
Vierhundert und drei Jahre. 1. Mos. 11: 13.
Wie alt war Arphachsad, als er starb? Vierhundert und
achtunddreißig Jahre.
Wie lange lebte Salah nach der Geburt Ebers? Vierhun-
dert und drei Jahre.
Wie alt war Salah, als er starb? Vierhundert und drei-
unddreißig Jahre.
Wie lange lebte Eber nach der Geburt Pelegs? Vierhun-
dert und dreißig Jahre. 1. Mos. 11: 17.
Wie alt war Eber, als er starb? Vierhundert und vier-
undsechzig Jahre.
Wie lange lebte Peleg nach der Geburt Regus? Zweihun-
dert und neun Jahre. 1. Mos. 11: 19.
Wie alt war Peleg, als er starb? Zweihundert und neun-
unddreißig Jahre.
Wie lange lebte Regu nach der Geburt Serugs? Zwei-
hundert und sieben Jahre. 1. Mos. 11: 21.
Wie alt war Regu, als er starb? Zweihundert und neun-
unddreißig Jahre.
Wie lange lebte Serug nach der Geburt Nahors? Zwei-
hundert Jahre. 1. Mos. 11: 23.
Wie alt war Serug, als er starb? Zweihundert und
dreißig Jahre.
Wie lange lebte Nahor nach der Geburt Tharahs? Ein-
hundert und neunzehn Jahre. 1. Mos. 11: 25.
31
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie alt war Nahor, als er starb? Einhundert und acht-
undvierzig Jahre.
Wie lange lebte Tharah nach der Geburt Abrahams? An-
genommen, daß Tharah einhundert und dreißig Jahre alt war,
zur Zeit Abrahams Geburt, so lebte er noch fünfundsiebenzig
Jahre; war er jedoch siebenzig Jahre alt, zur Zeit der Geburt
Abrahams, so lebte er noch einhundert und fünfunddreißig
Jahre.
Wie alt war Tharah, als er starb? Zweihundert und fünf
Jahre. 1. Mos. 11: 32. Für den Bericht von der Geburt Ar-
phachsads bis zum Tode Tharahs siehe Vorlesung 2: 48.
In welchem Jahre der Welt starb Peleg? Nach der vor-
hergehenden Zeitrechnung starb er im neunzehnhundert und
sechsundneunzigsten Jahre der Welt.
In welchem Jahre der Welt starb Nahor? Im neunzehn-
hundert und siebenundneunzigsten Jahre.
In welchem Jahre der Welt starb Noah? Im zweitau-
send und sechsten.
In welchem Jahre der Welt starb Regu? Im zweitausend
und sechsundzwanzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Serug? Im zweitau-
send und neunundvierzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Tharah? Im zweitau-
send dreiundachtzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Arphachsad? Im zwei-
tausend und sechsundneunzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Salah? Im zwei-
tausend einhundert und sechsundzwanzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Abraham? Im zwei-
tausend einhundert und sechsundzwanzigsten.
In welchem Jahre der Welt starb Eber? Im zweitau-
send einhundert und siebenundachtzigsten. Für den Bericht der
Jahre der Welt, in welchen jene Männer starben, siehe Vor-
lesung 2: 49, 50.
32
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie alt war Nahor (Abrahams Bruder) als Noah starb?
Achtundfünfzig Jahre.
Wie alt war Tharah? Einhundert und achtundzwanzig
Jahre.
Wie alt war Serug? Einhundert und siebenundachtzig
Jahre.
Wie alt war Regu? Zweihundert und neunzehn Jahre.
Wie alt war Eber? Zweihundert und dreiundachtzig
Jahre.
Wie alt war Salah? Dreihundert und dreizehn Jahre.
Wie alt war Arphachsad? Dreihundert und achtundvierzig
Jahre.
Wie alt war Sem? Vierhundert und achtundvierzig
Jahre. Für den letzten Bericht siehe Vorlesung 2: 51.
Wie alt war Abraham als Regu starb? Achtzehn Jahre,
wenn er geboren wurde, als Tharah einhundert und dreißig
Jahre alt war.
Wie alt war er als Serug und Nahor (Abrahams Bru-
der) starben? Einundvierzig Jahre.
Wie alt war er als Tharah starb? Fünfundsiebenzig Jahre.
Wie alt war er als Arphachsad starb? Achtundachtzig
Jahre.
Wie alt war er als Salah starb? Einhundert und achtzehn
Jahre.
Wie alt war er als Sem starb? Einhundert und fünfzig
Jahre. Für dieses siehe Vorlesung 2: 52.
Wie viele bemerkenswerte Personen lebten von Noah bis
Abraham? Zehn.
Was sind ihre Namen? Sem, Arphachsad, Salah, Eber,
Peleg, Regu, Serug, Nahor, Tharah und Nahor (Abrahams
Bruder). Vorlesung 2: 52.
Wie viele von diesen waren Zeitgenossen mit Noah? Alle.
Wie viele mit Abraham? Acht.
33
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Was sind ihre Namen? Nahor (Abrahams Bruder) Tha-
rah, Serug, Regu, Eber, Salah, Arphachsad und Sem. Vor-
lesung 2: 52.
Wie viele waren Zeitgenossen mit Noah sowohl als auch
Abraham? Acht.
Was sind ihre Namen? Sem, Arphachsad, Salah, Eber,
Regu, Serug, Tharah und Nahor (Abrahams Bruder). Vor-
lesung 2: 52.
Starben welche von diesen Männern vor Noah? Ja.
Welche waren es? Peleg, in dessen Tagen die Erde zer-
teilt wurde und Nahor (Abrahams Großvater). Vorlesung
2: 49.
Lebten welche von ihnen länger als Abraham? Einer.
Vorlesung 2: 50.
Wer war er? Eber, der vierte vor Noah. Vorlesung 2: 50.
In wessen Tagen wurde die Erde zerteilt? In den Tagen
Pelegs.
Wo wird uns der Bericht gegeben, daß die Erde in den
Tagen Pelegs zerteilt wurde? In 1. Mos. 10: 25.
Wie heißt die Stelle? „Eber zeugte zwei Söhne. Einer
hieß Peleg, darum, daß zu seiner Zeit die Welt zerteilet
ward.“
Welches Zeugnis haben die Menschen, in erster Linie, daß
es einen Gott gibt? Menschliches Zeugnis und das allein.
Vorlesung 2: 56.
Was eiferte die alten Heiligen an, fleißig nach der Er-
kenntnis Gottes, seiner Herrlichkeit, seinen Vollkommenheiten
und Eigenschaften zu trachten? Die Glaubwürdigkeit, mit
welcher sie die Zeugnisse ihrer Väter betrachteten. Vorlesung
2: 56.
Wie erlangen Menschen eine Erkenntnis der Herrlichkeit
Gottes, seiner Vollkommenheiten und Eigenschaften? Dadurch,
daß sie sich seinem Dienste durch unaufhörliches, demütiges
Gebet widmen und ihren Glauben an ihn stärken, bis sie wie
Enoch, wie der Bruder Jareds, und Moses für sich selbst eine
Offenbarung von Gott erlangen. Vorlesung 2: 55.
34
Zweite Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Ist die Erkenntnis von dem Dasein Gottes eine Sache
der, auf menschliches Zeugnis allein begründeten, mündlichen
Ueberlieferung, bis Leute für sich selbst eine Offenbarung
von Gott empfangen? Ja.
Wie wird es bewiesen? Aus den ganzen ersten und zwei-
ten Vorlesungen.



























35
Dritte Vorlesung über Glauben.



Vorlesung 3.
Drei Bedingungen zum Glauben an Gott.

1.  In der zweiten Vorlesung wurde gezeigt, auf welche
Weise die Kenntnis von dem Dasein Gottes in die Welt kam,
und durch welche Mittel die ersten Gedanken den Menschen in
den Sinn gegeben wurden, daß ein solches Wesen wirklich sein
Dasein hat; und daß es in Folge dieser Kenntnis seines Da-
seins war, daß eine Grundlage für die Ausübung des Glau-
bens an ihn, als das einzige Wesen, in welchem der Glaube
an Leben und Seligkeit seinen Mittelpunkt haben kann, ge-
legt wurde; denn der Glaube könnte sich nicht an ein Wesen
richten, von dessen Dasein wir keine Idee hätten, weil der Be-
griff seines Daseins allererst zur Ausübung des Glaubens an
ihn notwendig ist. „Wie sollen sie aber anrufen, an den sie
nicht glauben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
(oder einen gesandt, sie zu unterrichten?) So, denn kommt
der Glaube durch das Hören des Wortes Gottes.“ Römer
10: 14. (Neue Uebersetzung.)
2.  Lasset uns hier bemerken, daß drei Dinge notwendig
sind, so daß vernünftige und verständige Wesen Glauben an
Gott, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit haben
können:
3.  Zuerst, der Begriff, daß er wirklich ein Dasein hat;
4.  Zweitens, eine richtige Anschauung seines Charakters,
seiner Vollkommenheiten und Eigenschaften;
5.  Drittens, eine thatsächliche Kenntnis, daß der Lebens-
lauf, welchen sie führen, seinem Willen gemäß ist. Denn ohne
die Bekanntschaft mit diesen drei wichtigen Thatsachen, muß
der Glaube eines jeden vernünftigen Wesens unvollkommen
und unfruchtbar sein; aber mit dieser Erkenntnis kann er voll-
kommen und fruchtbar werden, in Gerechtigkeit überhand neh-
men, zur Ehre und Herrlichkeit Gottes des Vaters und des
Herrn Jesu Christi.
36
Dritte Vorlesung über Glauben.
Ohne Offenbarung kann kein Mensch Gott kennen.

6.  Da wir vorher schon bekannt gemacht worden sind
mit der Art und Weise, wie der Begriff von seinem Dasein,
so wie auch die Thatsache jenes Daseins in die Welt kam, so
wollen wir fortfahren und seinen Charakter, seine Vollkom-
menheiten und Eigenschaften auseinandersetzen, so daß diese
Klasse nicht nur die gerechte Ursache sehen, welche sie für die
Ausübung ihres Glaubens an ihn, zur Erlangung des Le-
bens und der Seligkeit hat, sondern auch die Ursache, welche
die ganze Welt, so weit sich der Begriff von seinem Dasein
ausgedehnt, haben kann, um Glauben an ihn, den Vater aller
lebenden Wesen ausüben zu können.
7.  Gerade wie wir den Begriff von seinem Dasein zuerst
einer Offenbarung, welche Gott von sich selbst seinen Ge-
schöpfen gab, zu verdanken haben, so auf gleiche Weise ver-
danken wir den Offenbarungen, welche er uns gegeben hat,
eine richtige Erkenntnis seines Charakters, seiner Vollkommen-
heiten und Eigenschaften, weil ohne die Offenbarungen, die
er uns gegeben hat, kein Mensch durch Nachsuchen Gott aus-
finden könnte. Hiob 11: 7–9. „Sondern wie geschrieben
steht: Daß kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehöret hat
und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet
hat denen, die ihn lieben; uns aber hat es Gott geoffenbaret
durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Dinge auch
die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im
Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist?
Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist
Gottes.“ 1. Corinth. 2: 9–11.
8.  Jetzt daß wir so viel gesagt haben, fahren wir fort
den Charakter, welchen die Offenbarungen von Gott geben zu
untersuchen.
9.  Moses gibt uns den folgenden Bericht in seinem zwei-
ten Buche 34: 6: „Und da der Herr vor seinem Angesicht über-
ging, rief er, ‚Herr, Herr Gott barmherzig, und gnädig, und
geduldig, und von großer Gnade und Treue‘.“ „Der Herr
schaffet Gerechtigkeit und Gericht Allen die Unrecht leiden. Er
hat seine Wege Moses wissen lassen, die Kinder Israels sein
Thun. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und
37
Dritte Vorlesung über Glauben.
Charakter Gottes – Unveränderlichkeit, Wahrheit, Liebe.

von großer Güte.“ Psalm 103: 6–8. „Die Gnade aber des
Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürch-
ten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind, bei denen, die
seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, daß sie
darnach thun.“ Psalm 103: 17, 18. „Ehe denn die Berge
worden, und die Erde, und die Welt geschaffen worden, bist
du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Psalm 90: 2. „Und du
Herr hast von Anfang die Erde gegründet, und die Himmel
sind deiner Hände Werke; dieselben werden vergehen, du aber
wirst bleiben; sie werden alle veralten wie ein Kleid, und wie
ein Gewand wirst du sie wandeln, und sie werden sich ver-
wandeln; du aber bist derselbe und deine Jahre werden nicht
aufhören.“ Ebräer 1: 10–12. „Alle gute Gabe und alle voll-
kommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des
Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des
Lichts und der Finsternis.“ Jakobi 1: 17. „Denn ich bin der
Herr, der nicht lüget. Und es soll mit euch Kindern Jakobs
nicht gar aus sein.“ Maleachi 3: 6.
10.  „Denn Gott wandelt nicht in krummen Pfaden, auch
dreht er sich nicht zur Rechten noch zur Linken, noch verändert
er das, welches er gesprochen hat, darum sind seine Pfade ge-
rade und sein Lauf ist eine ewige Runde.“ Buch der Lehre
und Bündnisse, Abschnitt 3: 2. „Höret auf die Stimme des
Herrn eures Gottes, selbst Alpha und Omega, der Anfang und
das Ende, dessen Lauf eine ewige Runde ist, derselbe gestern
heute und in Ewigkeit.“ Buch der Lehre und Bündnisse, Ab-
schnitt 35: 1.
11.  „Gott ist nicht ein Mensch daß er lüge noch ein
Menschenkind, daß ihn etwas gereue.“ 4. Mos. 23: 19. „Wer
nicht lieb hat, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe.“
1. Johannis 4: 8. „Petrus aber that seinen Mund auf, und
sprach: ‚Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Per-
son nicht ansiehet, sondern in allerlei Volk wer ihn fürchtet
und recht thut, der ist ihm angenehm‘.“ Apostelgeschichte 10:
34, 35.
12.  Aus den vorhergehenden Zeugnissen lernen wir die
folgenden Dinge, in Bezug auf den Charakter Gottes:
38
Dritte Vorlesung über Glauben.
Barmherzigkeit, Gnade, Langmut und Güte.

13.  Zuerst, daß er Gott war, ehe denn die Welt erschaffen
wurde und derselbe Gott, welcher er war, nach ihrer Erschaf-
fung;
14.  Zweitens, daß er gnädig und barmherzig, geduldig
und voller Güte ist, und daß er so war von Ewigkeit her und
so sein wird in Ewigkeit;
15.  Drittens, daß er sich nicht verändert noch ist Ver-
änderlichkeit in ihm, daß er derselbe ist von Ewigkeit zu Ewig-
keit, derselbe gestern, heute und immerdar, und daß sein Lauf
eine ewige Runde, ohne Veränderung ist;
16.  Viertens, daß er ein Gott der Wahrheit ist und nicht
lügen kann;
17.  Fünftens, daß er die Person nicht ansieht, sondern in
allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm an-
genehm;
18.  Sechstens, daß er die Liebe ist.
19.  Eine Bekanntschaft mit diesen Eigenschaften des
göttlichen Charakters ist unumgänglich notwendig, so daß der
Glaube irgend eines vernünftigen Wesens, in ihm, seinen
Mittelpunkt, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit,
haben kann; denn, wenn man ihn nicht zuerst als Gott, den
Schöpfer und Erhalter aller Dinge anerkennen würde, so
könnte man auch keinen Glauben zur Erlangung des Lebens
und der Seligkeit haben, aus Furcht, daß ein Wesen, größer
als er selbst, alle seine Pläne vereiteln könnte und er, wie die
Götter der Heiden nicht im Stande sein möchte, seine Ver-
sprechungen zu halten; doch da wir sehen, daß er Gott über
alles ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit, der Schöpfer und Erhalter
aller Dinge, so kann keine solche Furcht in den Herzen jener
wohnen, die ihm Vertrauen schenken; daher kann in dieser Be-
ziehung ihr Glaube ohne Wanken sein.
20.  Aber zweitens; die Schwachheiten der menschlichen
Natur, und die Gebrechlichkeiten und Unvollkommenheiten der
Menschen sind so groß, daß, wäre Gott nicht gnädig und barm-
herzig, geduldig und voller Güte, und würden sie nicht glau-
ben, daß jene Vorzüglichkeiten in dem göttlichen Charakter ihr
Dasein hätten, so könnte der Glaube, welcher zur Seligkeit
39
Dritte Vorlesung über Glauben.
Ohne den Begriff dieser Vorzüglichkeiten ist Glaube unmöglich.

notwendig ist, auch nicht bestehen. Sonst würde Zweifel den
Platz des Glaubens einnehmen, und diejenigen, welche ihre
Schwachheit und Unterworfenheit zur Sünde kennen, würden
in beständigem Zweifel wegen ihrer Seligkeit sein, wäre es
nicht, daß sie den Begriff von dem göttlichen Charakter Gottes
haben, – daß er geduldig, langmütig und von vergebender
Gesinnung ist und Gottlosigkeit, Uebertretungen und Sünde
vergibt. Die Anerkennung dieser Thatsachen entfernt den
Zweifel und macht den Glauben sehr groß.
21.  Doch um Glauben an ihn haben zu können, ist es
gerade so notwendig, daß die Menschen den Begriff haben
sollten, daß er ein unveränderlicher Gott ist, als daß er gnädig
und barmherzig ist; denn ohne den Begriff von der Unveränder-
lichkeit im Charakter Gottes würde Zweifel den Raum des
Glaubens einnehmen. Doch mit dem Gedanken, daß er sich
nicht ändert, stützt sich der Glaube auf die Vorzüglichkeiten
seines Charakters mit unerschütterlichem Vertrauen darauf,
daß er derselbe gestern, heute und immerdar und sein Lauf
eine ewige Runde ist.
22.  Und wiederum ist die Idee, daß er ein Gott der
Wahrheit ist, und nicht lügen kann, gerade so notwendig für
die Ausübung des Glaubens an ihn, als der Begriff seiner
Unveränderlichkeit; denn ohne den Begriff, daß er ein Gott
der Wahrheit ist und nicht lügen kann, könnte das Vertrauen,
welches notwendiger Weise auf sein Wort gesetzt werden sollte,
um Glauben an ihn haben zu können, nicht vorhanden sein.
Doch mit dem Begriffe, daß er nicht ein Mensch ist, daß er
nicht lügen kann, haben die Herzen der Menschen Kraft, Glau-
ben an ihn haben zu können.
23.  Doch ist es auch notwendig, daß die Menschen einen
Begriff haben sollten, daß er die Person nicht ansieht, denn
mit der Auffassung aller anderen Vorzüglichkeiten seines Cha-
rakters, wäre diese Eigenschaft abwesend, so könnten die Men-
schen keinen Glauben an ihn haben; denn würde er Personen
ansehen, so könnten sie nicht sagen, was ihre Rechte wären,
noch wie weit sie berechtigt wären, Glauben an ihn zu haben,
oder ob sie überhaupt dazu berechtigt wären, und Alles würde
40
Dritte Vorlesung über Glauben.
Alle heiligen Schriften schreiben Gott denselben Charakter zu.

Verwirrung sein. Sobald aber als die Herzen der Menschen
mit dem Punkte bekannt gemacht werden, daß er die Person
nicht ansieht, so können sie sehen, daß sie Macht haben, durch
den Glauben, der Seligkeit, der größten Gabe des Himmels
entgegenzuschauen, weil Gott nicht parteiisch ist, und daß
alle Menschen in jeder Nation gleiche Vorrechte haben.
24.  Und zuletzt, aber nicht weniger wichtig zur Aus-
übung des Glaubens an Gott, ist der Gedanke, daß er die
Liebe ist; denn mit allen den anderen Vorzüglichkeiten seines
Charakters, so könnten doch die Menschen nicht einen so mäch-
tigen Einfluß über die Gemüter der Menschen haben, ohne
jene Eigenschaft der Liebe: doch wenn der Begriff dem Herzen
eingepflanzt, daß er die Liebe ist, wer kann nicht den gerechten
Grund sehen, den die Menschen aller Nationen, Geschlechter
und Zungen haben, um Glauben an Gott zur Erlangung des
ewigen Lebens auszuüben?
25.  Aus der obigen Beschreibung des Charakters Gottes,
welcher von ihm in den Offenbarungen an die Menschen ge-
geben wird, sehen wir eine feste Grundlage für die Ausübung
des Glaubens an ihn unter jedem Volke, Geschlechte und jeder
Nation, von Zeitalter zu Zeitalter und von Geschlecht zu Ge-
schlecht.
26.  Hier wollen wir erwähnen, daß das Vorhergehende
der Charakter Gottes ist, welcher den Heiligen der früheren
Tage durch seine Offenbarungen über ihn gegeben wurde, und
es ist auch derselbe Charakter, welcher den Heiligen der letzten
Tage durch seine Offenbarungen in Bezug auf ihn gegeben
worden ist; so daß die Heiligen der früheren Tage und jene
der letzteren Tage in dieser Beziehung beide gleich sind; die
Heiligen der letzten Tage haben gerade eine so gute Ursache,
Glauben an Gott zu haben, als die Heiligen der früheren
Tage, weil beiden dasselbe über seinen Charakter gegeben
worden ist.

______
41
Dritte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Fragen und Antworten über die vorhergehenden Principien.

Was wurde in der zweiten Vorlesung gezeigt? Es wurde
gezeigt, wie die Kenntnis von dem Dasein Gottes in die Welt
kam. Vorlesung 3: 1.
Was ist die Wirkung des Begriffes seines Daseins, auf
die Menschen? Er legt die Grundlage für die Ausübung des
Glaubens an ihn. Vorlesung 3: 1.
Ist der Begriff seines Daseins zuerst notwendig um
Glauben an ihn haben zu können? Ja. Vorlesung 3: 1.
Wie wird es bewiesen? Aus dem 10ten Kapitel der Epistel
an die Römer im 14ten Vers. Vorlesung 3: 1.
Wie viele Dinge in Bezug auf Gott und unsere Stellung
ihm gegenüber sind für uns notwendig zu begreifen, daß wir
Glauben an ihn haben können zur Erlangung des Lebens und
der Seligkeit? Drei. Vorlesung 3: 2.
Welche sind es? Zuerst, daß Gott wirklich ein Dasein hat;
zweitens, richtige Begriffe von seinem Charakter, seinen Voll-
kommenheiten und Eigenschaften; und drittens, daß der Le-
benslauf, den wir befolgen wirklich nach seinem Wunsche und
Willen ist. Vorlesung 3: 3–5.
Würde der Begriff irgend eines oder zweier der oben er-
wähnten Dinge, eine Person in den Stand setzen, Glauben an
Gott zu haben? Nein, denn ohne den Begriff aller dieser
Dinge würde der Glaube unvollkommen und unfruchtbar sein.
Vorlesung 3: 5.
Würde der Begriff dieser drei Dinge eine sichere Grund-
lage für die Ausübung des Glaubens an Gott, zur Erlangung
des Lebens und der Seligkeit, legen? Ja; denn durch den Be-
griff dieser drei Dinge, kann der Glaube vollkommen und
fruchtbar und reich in Gerechtigkeit zum Preise und zur Ehre
Gottes werden. Vorlesung 3: 5.
Wie können wir mit den oben erwähnten Dingen in Be-
zug auf den Allmächtigen und uns selbst bekannt gemacht wer-
den? Durch Offenbarung. Vorlesung 3: 6.
Könnten diese Dinge durch andere Mittel, als Offenbarung
ausgefunden werden? Nein.
42
Dritte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Wie beweist man das? Durch die Heilige Schrift. Hiob 11:
7–9. 1. Corinth. 2: 9–11. Vorlesung 3: 7.
Welche Dinge lernen wir aus den Offenbarungen Gottes
in Bezug auf seinen Charakter? Wir lernen die folgenden sechs
Dinge: Erstens, daß er Gott war, ehe denn die Welt erschaffen
wurde und derselbe Gott, welches er war, nach ihrer Erschaf-
fung; zweitens, daß er gnädig und barmherzig, geduldig und
voller Güte ist, und daß er war und ist von Ewigkeit zu Ewig-
keit, und wird so sein; drittens, daß er sich nicht verändert,
auch kein Schwanken mit ihm ist, und daß sein Lauf eine ewige
Runde ist; viertens, daß er ein Gott der Wahrheit ist und nicht
lügen kann; fünftens, daß er die Person nicht ansieht; und
sechstens, daß er die Liebe ist. Vorlesung 3: 12–18.
Wo finden wir die Offenbarungen, welche uns diesen Be-
griff von dem Charakter Gottes geben? In der Bibel und dem
Buch der Lehre und Bündnisse, und sie sind in der dritten Vor-
lesung angeführt. Vorlesung 3: 9–11.
Welche Wirkung würde es auf ein vernünftiges Wesen
haben, nicht einen Begriff zu haben, daß Gott der Schöpfer
und Erhalter aller Dinge ist? Es würde es verhindern, Glau-
ben an ihn zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit zu
haben.
Warum würde es verhindert sein, Glauben an Gott auszu-
üben? Weil es wie die Heiden sein würde, ohne zu wissen, ob
es nicht vielleicht ein größeres und wichtigeres Wesen, als Gott,
geben möchte und ihn an der Erfüllung seiner Versprechungen
hindern könnte. Vorlesung 3: 19.
Verhindert dieser Begriff jenen Zweifel? Ja, denn Per-
sonen, welche diesen Begriff haben, sind dadurch im Stande,
Glauben ohne Zweifel haben zu können. Vorlesung 3: 19.
Ist es nicht auch notwendig, den Begriff zu haben, daß
Gott gnädig und barmherzig, langmütig und voller Güte ist?
Ja. Vorlesung 3: 20.
Warum ist es notwendig? Wegen der Schwachheit und den
Unvollkommenheiten der menschlichen Natur und der großen Ge-
brechlichkeiten des Menschen; denn so groß ist die Schwachheit
des Menschen und sind seine Gebrechlichkeiten, daß er immer-
43
Dritte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

während der Sünde unterworfen ist, und wenn Gott nicht
langmütig und voller Mitleid, gnädig und barmherzig und
eines vergebenden Sinnes wäre, so würde der Mensch von ihm
abgeschnitten sein, in Folge wessen er in beständigem Zweifel
sein würde und keinen Glauben ausüben könnte; denn wo
Zweifel herrscht, hat der Glaube keine Macht; doch wenn der
Mensch glaubt, daß Gott voller Mitleid und Vergebung, Lang-
mut und Geduld ist, so kann er Glauben an ihn ausüben und
alle Zweifel überwinden, daß er sehr stark werden kann. Vor-
lesung 3: 20.
Ist es nicht gerade so notwendig, daß der Mensch einen
Begriff haben sollte, daß Gott sich nicht verändert und kein
Schwanken bei ihm vorkommt, um im Stande zu sein, an ihn
Glauben zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit zu
haben? Ja; weil ohne dasselbe er nicht wissen würde, wie bald
sich die Gnade Gottes in Grausamkeit, seine Langmut in Hef-
tigkeit, und seine Liebe in Haß umwandeln würde, in Folge
wessen der Mensch nicht im Stande sein würde, Glauben an
ihn zu haben. Wenn er jedoch den Begriff dessen Unveränder-
lichkeit hat, so kann der Mensch immerwährend Glauben an
ihn haben und überzeugt sein, daß was er gestern war, wird
er auch heute und immerdar sein. Vorlesung 3: 21.
Ist es nicht auch notwendig, für die Menschen einen Be-
griff zu haben, daß Gott ein Wesen der Wahrheit ist, ehe sie
vollkommenen Glauben an ihn haben können? Ja; denn wenn
die Menschen diesen Begriff nicht haben, so können sie kein
Vertrauen auf sein Wort haben, und wenn sie nicht im Stande
sind, Vertrauen auf sein Wort zu haben, so können Sie auch
keinen Glauben an ihn haben; doch in der Ueberzeugung, daß
er ein Gott der Wahrheit ist und daß sein Wort nicht fehlen
kann, kann ihr Glaube auf ihn sich verlassen, ohne Zweifel zu
haben. Vorlesung 3: 22.
Könnte der Mensch Glauben an Gott zur Erlangung des
ewigen Lebens haben, wenn er nicht glauben würde, daß Gott
die Person nicht ansieht? Nein; weil ohne diese Anschauung er
nicht gewiß wissen könnte, daß es sein Vorrecht wäre, solchen
44
Dritte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Glauben zu haben, und in Folge jenes Zweifels sein Glaube
nicht groß genug sein könnte, ihn zu erlösen. Vorlesung 3: 23.
Wäre es möglich, für einen Menschen Glauben an Gott
haben zu können, um erlöst zu werden, wenn er nicht den Be-
griff hätte, daß Gott die Liebe ist? Nein; weil der Mensch Gott
nicht lieben könnte, wenn er nicht den Begriff hätte, daß Gott
die Liebe ist, und würde er Gott nicht lieben, so könnte er auch
keinen Glauben an ihn haben. Vorlesung 3: 24.
Was kann man erwarten, daß die Beschreibung, welche die
Heilige Schrift von dem Charakter Gottes gibt, thun würde?
Man kann erwarten, daß sie eine Grundlage für den Glauben
an ihn legen wird, so weit diese Kenntnis unter allen Völkern,
Zungen, Sprachen, Geschlechtern und Nationen sich ausdehnt
und das, von Zeitalter zu Zeitalter, von Generation zu Gene-
ration. Vorlesung 3: 25.
Ist der Charakter, welchen Gott von sich selbst gegeben hat,
stets derselbe? Ja, in allen seinen Offenbarungen, ob an die
Heiligen der früheren oder der letzten Tage, so daß sie alle be-
rechtigt sind, Glauben an ihn zu haben und durch die Aus-
übung ihres Glaubens, derselben Segnungen sich zu erfreuen,
erwarten können. Vorlesung 3: 26.












45
Vierte Vorlesung über Glauben.



Vorlesung 4.
Die Absicht Gottes in der Offenbarung seiner Eigenschaften.

1.  Wir haben in der dritten Vorlesung gezeigt, daß rich-
tige Begriffe von dem Charakter Gottes notwendig sind, um
Glauben an ihn, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit
haben zu können; daß ohne richtige Begriffe seines Charakters,
die Gemüter der Menschen nicht genügend Macht mit Gott
zur Ausübung des, für den Genuß des ewigen Lebens not-
wendigen Glaubens, haben könnten; und daß richtige Begriffe
seines Charakters, so weit es jenen anbetrifft, eine Grundlage
für die Ausübung des Glaubens legen, um sich der Fülle der
Segnungen des Evangeliums Jesu Christi, selbst jener der
ewigen Herrlichkeit, erfreuen zu können. Wir wollen jetzt fort-
fahren, die Verbindung, welche zwischen richtigen Begriffen
von den Eigenschaften Gottes und der Ausübung des Glaubens
an ihn zur Erlangung des ewigen Lebens besteht, zu zeigen.
2.  Lasset uns hier beobachten, daß die wirkliche Absicht,
welche der Gott des Himmels, indem er die menschliche Fa-
milie mit seinen Eigenschaften bekannt machte, vor Augen
hatte, war, daß sie, durch den Begriff des Daseins seiner Attri-
bute, im Stande sein möchten, an ihn Glauben zu haben, und
durch die Ausübung desselben ewiges Leben erlangen könnten,
denn ohne den Begriff des Daseins der göttlichen Eigenschaf-
ten, könnten die Gemüter der Menschen nicht Macht haben, so
an ihn zu glauben, daß sie dem ewigen Leben entgegenschauen
könnten. Der Gott des Himmels, welcher ganz vollkommen die
Zusammensetzung der menschlichen Natur und die Schwachheit
des Menschen kennt, wußte was notwendig war zu offenbaren
und welche Begriffe ihren Gemütern eingepflanzt werden
mußten, daß sie im Stande sein möchten, Glauben an ihn zur
Erlangung des ewigen Lebens zu haben.
3.  Wir wollen zunächst fortfahren, die Eigenschaften Got-
tes, wie sie in seinen Offenbarungen an die menschliche Fa-
46
Vierte Vorlesung über Glauben.
Gottes Eigenschaften – Kenntnis, Glaube, Gerechtigkeit.

milie dargestellt werden, zu erforschen, und zeigen, wie not-
wendig richtige Begriffe seiner Eigenschaften sind, um die
Menschen in den Stand zu setzen, Glauben an ihn haben zu
können; denn ohne daß diese Begriffe in den Herzen der Men-
schen gepflanzt wären, würde es für irgend eine Person, oder
Personen unmöglich sein Glauben an Gott zur Erlangung des
ewigen Lebens haben zu können. Folglich hatten die gött-
lichen Mitteilungen, welche dem Menschen zuerst gemacht wur-
den, die Bestimmung, in deren Gemütern die Begriffe festzu-
setzen, welche zur Ausübung des Glaubens an Gott und zur
Teilnahme an seiner ewigen Herrlichkeit notwendig waren.
4.  In den Offenbarungen, welche er der menschlichen Fa-
milie gegeben hat, haben wir den folgenden Bericht von seinen
Eigenschaften:
5.  Zuerst – Kenntnis. „Gott sind alle seine Werke be-
wußt von der Welt her.“ Apostelg. 15: 18. „Gedenket des
Vorigen von Alters her; denn ich bin Gott, und keiner mehr,
ein Gott, desgleichen nirgend ist; der ich verkündige zuvor, was
hernach kommen soll, und vorhin, ehe denn es geschieht, und
sage, ‚Mein Anschlag bestehet, und ich thue Alles, was mir ge-
fällt‘.“ Jesaia 46: 9, 10.
6.  Zweitens – Glaube oder Macht. „Durch den Glau-
ben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist.“
Ebräer 11: 3. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
1. Mose 1: 1. „Der Herr Zebaoth hat geschworen und gesagt:
Was gilt es, es soll gehen, wie ich denke, und soll bleiben, wie
ich es im Sinn habe?“ Jesaia 14: 24. „Denn der Herr Ze-
baoth hat es beschlossen; wer wird es wehren? Und seine Hand
ist ausgereckt; wer will sie wenden?“ Jesaia 14: 27.
7.  Drittens – Gerechtigkeit. „Gerechtigkeit und Gericht
ist deines Stuhles Festung.“ Psalm 89: 15. „Verkündiget
und machet euch herzu, ratschlaget mit einander. Wer hat
dies lassen sagen von Alters her, und dazumal verkündiget?
Habe ich es nicht gethan, der Herr? Und ist sonst keiner Gott,
ohne ich; ein gerechter Gott und Heiland.“ Jesaia 45: 21.
„Der Herr ist gerecht in ihr.“ Zephanja 3: 5. „ Aber du Toch-
ter Zions, freue dich sehr und du Tochter Jerusalems jauchze;
47
Vierte Vorlesung über Glauben.
Gericht, Gnade und Wahrheit. Ohne Kenntnis keine Seligkeit.

siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“
Sacharja 9: 9.
8.  Viertens – Gericht (Urteilskraft). „Gerechtigkeit
und Gericht ist deines Stuhls Festung.“ Psalm 89: 15. „Er
ist ein Fels; seine Werke sind unsträflich; denn Alles, was
er thut, das ist recht. Treu ist Gott, und kein Böses an ihm,
gerecht und fromm ist er.“ 5. Mos. 32: 4. „Der Herr aber
bleibet ewiglich, er hat seinen Stuhl bereitet zum Gericht.“
Psalm 9: 8.“ In der Herr ist bekannt worden durchs Gericht,
welches er geübet hat.“ Psalm 9: 17.
9.  Fünftens – Gnade (Barmherzigkeit). „Gnade und
Wahrheit sind vor deinem Angesicht.“ Psalm 89: 15.“ Und
da der Herr vor seinem Angesicht überging, rief er, ‚Herr,
Herr Gott barmherzig, und gnädig, und geduldig, und von
großer Gnade und Treue‘.“ 2. Mos. 34: 6. „Aber du mein
Gott, vergabest und warest gnädig.“ Nehemia 9: 17.
10.  Und sechstens – Wahrheit. „Gnade und Wahrheit
sind vor deinem Angesicht.“ Psalm 89: 15. „Geduldig und
von großer Gnade und Treue.“ 2. Mos. 34: 6. „Er ist ein
Fels, seine Werke sind unsträflich; denn Alles, was er thut,
das ist recht.“ 5. Mos. 32: 4. „In deine Hände befehle ich
meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott.“
Psalm 31: 6.
11.  Durch ein wenig Ueberlegung kann man sehen, daß
der Begriff des Daseins dieser Eigenschaften Gottes notwen-
dig ist, um vernünftige Wesen in den Stand zu setzen, Glau-
ben an ihn haben zu können; denn ohne den Begriff des Da-
seins dieser Eigenschaften Gottes könnten die Menschen nicht
Glauben an ihn, zur Erlangung des Lebens und der Selig-
keit, haben. Denn ohne die Kenntnis aller Dinge würde Gott
nicht im Stande sein, irgend einen Teil seiner Geschöpfe selig
zu machen; denn es ist wegen der Kenntnis, welche er von
allen Dingen, von Anfang bis zu Ende hat, daß er in den
Stand gesetzt ist, seinen Geschöpfen jene Erkenntnis zu geben,
durch welche sie Teilhaber des ewigen Lebens werden; und
wäre es nicht, daß die Menschen den Begriff von der All-
48
Vierte Vorlesung über Glauben.
Ein Begriff von Gottes Eigenschaften notwendig zum Glauben.

wissenheit Gottes in ihren Herzen hätten, so würde es für
sie unmöglich sein, Glauben an ihn zu haben.
12.  Auch ist es nicht weniger notwendig, daß die Men-
schen den Begriff von dem Dasein der Macht Gottes besitzen
sollten; denn wenn Er nicht Macht über alle Dinge hätte,
und durch seine Kraft alle Dinge regieren könnte, und da-
durch seine Geschöpfe, welche ihr Vertrauen in ihn setzen, von
allen Wesen, ob im Himmel, auf der Erde oder in der Hölle,
welche ihre Zerstörung suchen möchten, befreien könnte, so
könnten die Menschen nicht erlöst werden. Doch mit dem
Begriffe von dem Dasein dieser Eigenschaft durchdrungen,
fühlen die Menschen, daß Alle, die ihm Vertrauen schenken,
nichts zu fürchten haben, und daß er Macht hat, Alle vollstän-
dig zu erlösen, die zu ihm kommen wollen.
13.  Es ist auch notwendig zur Ausübung des Glaubens
an Gott, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit, daß
die Menschen den Begriff von dem Dasein der Eigenschaft
der Gerechtigkeit Gottes haben sollten; denn ohne die Idee
des Daseins der Eigenschaft der Gerechtigkeit in dem Herrn,
könnten die Menschen nicht Vertrauen genug haben, sich unter
seine Leitung und Führung zu stellen; denn sie würden mit
Furcht und Zweifel erfüllt werden, und denken, daß der Rich-
ter der ganzen Erde nicht recht thun würde; deshalb, wo
Furcht und Zweifel im Herzen sind, könnte auch kein Glaube
an ihn sein, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit.
Doch wenn der Begriff von der Eigenschaft der Gerechtigkeit
Gottes recht im Herzen eingepflanzt ist, so bleibt kein Raum
für Zweifel mehr und der Geist ist im Stande, sich ohne Furcht
und Zweifel auf den Allmächtigen zu werfen und mit dem un-
erschütterlichsten Vertrauen zu glauben, daß der Richter der
ganzen Erde recht thun wird.
14.  Es ist auch von gleicher Wichtigkeit, daß die Men-
schen den Begriff von dem Dasein der Eigenschaften Gottes
als ein Richter, haben sollten, daß sie im Stande sein mögen,
Glauben an ihn zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit,
zu haben; denn ohne den Begriff des Daseins dieser Eigen-
schaft Gottes, würde es unmöglich sein für die Menschen,
49
Vierte Vorlesung über Glauben.
Fortsetzung desselben.

Glauben an ihn, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit
zu haben, insoweit als es durch die Ausübung dieses Attri-
buts ist, daß die Getreuen in Jesu Christo, aus den Händen
derer, die ihren Untergang suchen, befreit werden; denn wenn
Gott nicht mit schleunigem Gericht gegen die Uebelthäter und
Mächte der Finsternis kommen würde, so könnten seine Hei-
ligen nicht erlöst werden; denn es ist durch das Gericht, daß
der Herr seine Heiligen aus den Händen aller ihrer Feinde
und derjenigen, welche das Evangelium unseres Herrn Jesu
Christi verwerfen, befreit: aber sobald als der Begriff des
Daseins dieses Attributs in den Herzen der Menschen einge-
wurzelt ist, so gibt er Kraft zur Ausübung des Glaubens und
Vertrauens in Gott, und sie werden durch den Glauben in den
Stand gesetzt, der Versprechungen, welche vor sie gestellt sind,
teilhaftig zu werden und durch alle Trübsale und Mühselig-
keiten zu gehen, welchen sie ausgesetzt sind, durch die Ver-
folgungen jener, die Gott nicht kennen und das Evangelium
unseres Herrn Jesu Christi nicht annehmen, und glauben, daß
der Herr in seiner eigenen Zeit mit schleunigem Gericht ge-
gen ihre Feinde kommen und sie abschneiden wird, und daß
in seiner erwählten Zeit er sie in allen Dingen siegreich, ja
mehr als siegreich, machen wird.
15.  Und wiederum ist es auch ebenso wichtig, daß die
Menschen den Begriff von dem Dasein der Eigenschaft der
Barmherzigkeit Gottes haben sollten, um Glauben an ihn,
für die Erlangung des Lebens und der Seligkeit haben zu
können; denn ohne den Begriff von dem Dasein dieses Attri-
buts in dem Herrn, würden die Herzen der Heiligen in der
Mitte der Trübsale, Mühseligkeiten und Verfolgungen, welche
sie um der Gerechtigkeit willen zu erdulden haben, den Mut
verlieren: doch wenn der Gedanke des Daseins dieser Eigen-
schaft einmal dem Gemüte eingeprägt ist, so gibt er den Gei-
stern der Heiligen Leben und Thatkraft, da sie glauben, daß
die Barmherzigkeit Gottes über sie ausgegossen werden wird,
in der Mitte ihrer Trübsale, und daß er sie bemitleiden wird
in ihren Leiden und die Barmherzigkeit Gottes sie umfangen
50
Vierte Vorlesung über Glauben.
Zusammenfassung der vorhergehenden Principien.

und in den Armen seiner Liebe sicher machen wird, so daß sie
eine volle Belohnung für alle ihre Leiden empfangen werden.
16.  Und zuletzt, doch nicht von geringerer Wichtigkeit für
die Ausübung des Glaubens an Gott, ist der Begriff von dem
Dasein, in ihm, des Attributs der Wahrheit; denn ohne den
Begriff von dem Dasein jener Eigenschaft, würde der Geist
des Menschen nichts haben, auf das er sich mit Gewißheit
stützen könnte – Alles würde Verwirrung und Zweifel sein.
Doch mit dem Begriffe von dem Dasein dieser Eigenschaft im
Herrn, im Herzen, werden alle Belehrungen, Ermahnungen,
Versprechungen und Segnungen, – Wirklichkeit, und der Geist
ist im Stande, sich auf dieselben mit Gewißheit und Ver-
trauen zu stützen, im Glauben, daß diese Dinge und Alles,
was der Herr gesprochen hat, seiner Zeit erfüllt werden wird;
und daß alle die Flüche, Drohungen und Gerichte, welche ge-
gen die Gottlosen ausgesprochen worden sind auch in der eige-
nen Zeit des Herrn ausgeführt werden, und in Folge seiner
Wahrheitsliebe blickt der Geist mit Gewißheit auf seine Be-
freiung und endliche Seligkeit.
17.  Durch eine aufrichtige und offenherzige Betrachtung
dieser Ideen des Daseins der vorerwähnten Eigenschaften des
Allmächtigen, kann man sehen, daß so weit als es seine Eigen-
schaften betrifft, sie eine sichere Grundlage für die Ausübung
unseres Glaubens an ihn, zur Erlangung des Lebens und der
Seligkeit sind; denn insofern als Gott das Attribut der Kennt-
nis besitzt, so kann er alle Dinge, die zur Erlösung seiner
Heiligen notwendig sind, ihnen kund machen, und da er die
Eigenschaft der Macht besitzt, so ist er dadurch im Stande, sie
aus der Macht ihrer Feinde zu befreien; und da wir auch
sehen, daß Gerechtigkeit eines der Attribute des Herrn ist,
so wird er sie nach den Principien der Gerechtigkeit und Un-
parteilichkeit behandeln und wird ihnen für alle ihre Müh-
seligkeiten und Leiden, die sie der Wahrheit willen erduldet
haben, eine gerechte Belohnung zukommen lassen. Und da die
Urteilskraft auch eine der Eigenschaften Gottes ist, so können
die Heiligen das unerschütterlichste Vertrauen haben, daß in
bestimmter Zeit, sie eine vollkommene Befreiung aus den
51
Vierte Vorlesung über Glauben.
Fortsetzung der Zusammenfassung.

Händen aller ihrer Feinde und einen vollkommenen Sieg über
alle diejenigen, welche ihre Zerstörung und ihr Leid gesucht
haben, erlangen werden. Und da die Barmherzigkeit auch
ein Attribut des Herrn ist, so können die Heiligen Vertrauen
haben, daß es für sie angewandt werden wird und daß durch
die Anwendung jenes Attributs ihnen unter allen ihren Müh-
seligkeiten und Beschwerden, Trost und Hilfe in Fülle gegeben
werden wird.
Und zuletzt, indem wir uns verwirklichen, daß die Wahr-
heit ein Attribut des Herrn ist, so wird der Geist angeleitet
unter allen Prüfungen und Versuchungen, sich in der Hoff-
nung jener Herrlichkeit zu erfreuen, welche gebracht werden
soll, zur Zeit der Offenbarung Jesu Christi, in Anbetracht
jener Krone, welche auf die Häupter der Heiligen am Tage,
wann der Herr Belohnungen unter ihnen austeilen wird, ge-
setzt werden soll, und in der Aussicht jenes ewigen Gewichtes
der Herrlichkeit, welche der Herr versprochen hat, ihnen zu er-
teilen, wann er sie in die Mitte seines Thrones bringen wird,
um in seiner Gegenwart ewig zu wohnen.
18.  In Anbetracht des Daseins dieser Attribute, kann der
Glaube der Heiligen sehr stark werden, in Gerechtigkeit zum
Preise und der Ehre Gottes reich sein, und seinen mächtigen
Einfluß im Suchen nach Weisheit und Erkenntnis anstren-
gen, bis er eine Kenntnis aller Dinge, die zum Leben und
der Seligkeit gehören, erlangt hat.
19.  Dieses denn, ist die Grundlage, welche durch die Of-
fenbarung der Eigenschaften Gottes für die Ausübung des
Glaubens, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit gelegt
worden ist; und indem wir sehen, daß dieses Eigenschaften
Gottes sind, sind sie unveränderlich – dieselben gestern, heute
und immerdar – durch die Betrachtung welcher, die Heiligen
der letzten Tage dieselbe Kraft erlangen, Glauben an Gott
zu haben, wie die Heiligen der früheren Tage; so daß alle Hei-
ligen in dieser Hinsicht gleich gewesen sind, jetzt gleich sind
und immerdar gleich sein werden, denn Gott verändert sich
nie; deshalb bleiben seine Attribute und sein Charakter im-
mer und ewig dieselben. Und da es durch eine Offenbarung
52
Vierte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

derselben ist, daß die Grundlage zur Ausübung des Glaubens
an Gott, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit gelegt
worden ist, so war und ist jene Grundlage deshalb immer
dieselbe und wird immer so bleiben; so daß alle Menschen ein
gleiches Vorrecht gehabt haben und auch haben werden.

_______


Fragen und Antworten über die vorhergehenden Principien.

Was wurde in der dritten Vorlesung gezeigt? Es wurde
gezeigt, daß richtige Ideen von dem Charakter Gottes not-
wendig sind, um im Stande zu sein, Glauben an ihn zur Er-
langung des Lebens und der Seligkeit zu haben; und daß
ohne jene richtigen Begriffe seines Charakters, die Menschen
nicht Kraft haben könnten, Glauben zur Erlangung des Le-
bens und der Seligkeit zu üben; daß aber richtige Ideen sei-
nes Charakters, so weit sein Charakter mit der Ausübung
des Glaubens an ihn verbunden ist, eine sichere Grundlage
für die Uebung desselben legen. Vorlesung 4: 1.
Welchen Zweck hatte der Gott des Himmels, seine Eigen-
schaften den Menschen zu offenbaren? Daß durch eine Be-
kanntschaft mit seinen Eigenschaften, sie in den Stand gesetzt
sein möchten, Glauben an ihn zur Erlangung des ewigen Le-
bens zu haben. Vorlesung 4: 2.
Könnten die Menschen Glauben an Gott haben ohne eine
Bekanntschaft mit seinen Attributen, um im Stande zu sein,
ewiges Leben zu erlangen? Nein. Vorlesung 4:2, 3.
Welche Eigenschaften werden Gott in seinen Offenbarun-
gen zugeschrieben? Erstens, Kenntnis; zweitens, Glaube oder
Macht; drittens, Gerechtigkeit; viertens Gericht (Urteilskraft);
fünftens, Gnade (Barmherzigkeit); und sechstens, Wahrheit.
Vorlesung 4: 4–10.
Wo findet man die Offenbarungen, welche diese Verbin-
dung oder die Attribute Gottes angeben? In dem alten und
neuen Testamente und diese Stellen sind in Vorlesung 4:
5–10 angeführt.
53
Vierte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

Ist der Begriff von dem Dasein jener Eigenschaften Got-
tes notwendig, um vernünftige Wesen in den Stand zu setzen,
Glauben an ihn, zur Erlangung des Lebens und der Selig-
keit zu haben? Ja.
Wie wird es bewiesen? Durch Vorlesung 4: 11–16.
Setzt der Begriff von dem Dasein jener Eigenschaften des
Herrn, so weit es jene Attribute betrifft, vernünftige Wesen
in den Stand, Glauben an ihn zur Erlangung des Lebens und
der Seligkeit haben zu können? Ja.
Wie wird es bewiesen? Durch Vorlesung 4: 17, 18.
Haben die Heiligen der letzten Tage, durch die Offen-
barung der Eigenschaften Gottes, so viel Autorität empfan-
gen, Glauben an ihn zu haben, wie die Heiligen der frühe-
ren Tage? Ja.
Wie wird es bewiesen? Durch den 19ten Paragraphen
dieser Vorlesung.

















54
Fünfte Vorlesung über Glauben.



Vorlesung 5.
Erklärung über die Personen der Gottheit.

1.  In unseren früheren Vorlesungen haben wir über das
Wesen, den Charakter, die Vollkommenheit und Eigenschaften
Gottes abgehandelt. Was wir mit Vollkommenheit meinen,
sind die Vollkommenheiten, welche zu allen Eigenschaften sei-
ner Natur gehören. In dieser Vorlesung werden wir von der
Gottheit reden, – wir meinen den Vater, Sohn und Heiligen
Geist.
2.  Es gibt zwei Personen, welche die große, unver-
gleichliche, regierende und höchste Macht, über alle Dinge,
ausmachen, durch welche alle Dinge, welche erschaffen und ge-
macht sind, gemacht und erschaffen worden sind, – ob sichtbar
oder unsichtbar, ob im Himmel, auf der Erde, in der Erde,
unter der Erde oder in der Unendlichkeit des Raumes. Sie
sind der Vater und der Sohn – der Vater, eine Person von
Geist, Herrlichkeit und Macht, im Besitz aller Vollkommenheit
und Fülle – der Sohn, der in dem Busen des Vaters war,
eine Person mit einem Körper in der Form und dem Gleich-
nisse des Menschen, – oder besser gesagt, der Mensch nach
seinem Bilde und Gleichnis organisiert; er ist das genaue
Ebenbild der Person des Vaters, im Besitz der ganzen Fülle
des Vaters, oder mit dem Vater, von ihm gezeugt und ver-
ordnet vor der Gründung der Welt, ein Sühnopfer für die
Sünden Aller zu werden, die an seinen Namen glauben wür-
den; er wird der Sohn genannt von wegen des Fleisches; er
stieg hernieder in Leiden unter das, was der Mensch erdulden
kann, – oder in anderen Worten, erlitt größere Leiden und
war schwereren Widerwärtigkeiten ausgesetzt, als irgend ein
Mensch erdulden kann. Doch ungeachtet alles dessen, hielt er
das Gesetz Gottes, blieb ohne Sünde, und zeigte dadurch, daß
es in der Macht des Menschen ist, das Gesetz zu halten und
auch ohne Sünde zu bleiben; und auch, daß durch ihn ein ge-
55
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Einigkeit unter denselben. Christus unser Vermittler.

rechtes Gericht über alles Fleisch kommen möchte und Alle,
welche nicht nach dem Gesetz Gottes wandeln, durch dasselbe
rechtmäßiger Weise verdammt sein werden und keine Ent-
schuldigung für ihre Sünde haben. Und da er der Einge-
borene des Vaters, voller Gnade und Wahrheit ist und über-
wunden hat, empfing er die Fülle der Herrlichkeit des Va-
ters – besitzt denselben Willen mit dem Vater, welcher Wille
der Heilige Geist ist, der vom Vater und Sohn Zeugnis gibt
und diese drei sind eins; oder, in andern Worten, diese drei
bilden die große, unvergleichliche, regierende und allerhöchste
Macht über alle Dinge, durch welche alle Dinge, die gemacht
und geschaffen worden sind, gemacht und geschaffen wurden,
und diese drei bilden die Gottheit und sind eins. Der Vater
und der Sohn besitzen denselben Willen, dieselbe Weisheit,
Herrlichkeit, Macht und Fülle – und erfüllen Alles in Allem.
Der Sohn ist erfüllt mit der Fülle des Willens, der Herrlich-
keit und Macht, oder in andern Worten, dem Geiste, der Herr-
lichkeit und der Macht des Vaters, im Besitz aller Kenntnis
und Herrlichkeit und desselben Königreiches. Er sitzt zur rech-
ten Hand der Macht, in dem ausdrücklichen Ebenbilde des
Vaters, ein Vermittler für den Menschen – erfüllt mit der
Fülle des Willens des Vaters, oder in andern Worten, des
Geistes des Vaters, welcher Geist auf alle diejenigen ge-
gossen wird, die an seinen Namen glauben und seine Gebote
halten; und die welche seine Gebote halten, werden von Gnade
zu Gnade wachsen und Erben des himmlischen Königreiches
und Miterben Jesu Christi werden, den gleichen Sinn be-
sitzen, und in das Ebenbild, sogar das ausdrückliche Bild von
ihm, der Alles in Allem erfüllt, umgewandelt und mit der
Fülle seiner Herrlichkeit erfüllt werden. Dann sind sie eins
mit ihm, selbst wie der Vater, Sohn und Heilige Geist eins
sind.
3.  Nach dem vorhergehenden Bericht von der Gottheit,
welcher in seinen Offenbarungen gegeben ist, haben die Hei-
ligen eine sichere Grundlage für die Ausübung des Glaubens,
zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit, durch die Ver-
söhnung und Vermittlung Jesu Christi, durch dessen Blut sie
56
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

eine Vergebung der Sünden haben und auch einen sichern
Lohn für sie im Himmel aufbewahrt bekommen, sogar Teil
zu haben an der Fülle des Vaters, und Sohnes, durch den
Geist. Wie der Sohn von der Fülle des Vaters durch den Geist
empfängt, so werden auch die Heiligen durch den gleichen
Geist, Teilhaber derselben Fülle werden und sich derselben
Herrlichkeit erfreuen. Denn gleichwie der Vater und Sohn
eins sind, so, in gleicher Weise, werden die Heiligen eins mit
ihnen sein. Durch die Liebe des Vaters, die Vermittlung
des Sohnes und die Gabe des Heiligen Geistes werden sie
Erben Gottes und Miterben Jesu Christi werden.
_______

Fragen und Antworten über die vorhergehenden Principien.

Von was handeln die vorhergehenden Vorlesungen? Von
dem Wesen, den Vollkommenheiten und Eigenschaften Gottes.
Vorlesung 5: 1.
Was verstehen wir unter den Vollkommenheiten Gottes?
Die Vollkommenheiten, welche zu seinen Attributen gehören.
Wie viele Personen sind in der Gottheit? Zwei, der Va-
ter und der Sohn. Vorlesung 5: 1.
Wie beweist man, daß es zwei Personen in der Gottheit
gibt? Durch die heilige Schrift. „Und Gott der Herr sagte zu
dem Eingeborenen, der mit ihm vom Anfange an war, ‚Lasset
uns den Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem
Gleichnis‘ – und es wurde gethan.“ 1. Mos. 1: 26; auch Vor-
lesung 2: 6. „Und Gott der Herr sagte zum Eingeborenen,
‚Siehe der Mensch ist geworden wie einer von uns: Gutes und
Böses zu kennen‘.“ 1. Mos. 3: 22. „Und nun verkläre mich,
du Vater, bei dir selbst, mit der Klarheit, die ich bei dir hatte,
ehe die Welt war.“ Johannes 17: 5. Vorlesung 5: 2.
Was ist der Vater? Er ist eine Person der Herrlichkeit
und Macht. Vorlesung 5: 2.
Wie beweist man, daß der Vater eine Person der Herr-
lichkeit und Macht ist? „Die Sonne soll nicht mehr des Ta-
ges dir scheinen, und der Glanz des Mondes soll dir nicht
57
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

leuchten, sondern der Herr wird dein ewiges Licht, und dein
Gott wird dein Preis sein.“ Jesaia 60: 19. „Dir gebühret
die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank.“
1. Chronica 29: 11. „Die Stimme des Herrn gehet auf den
Wassern; der Gott der Ehren donnert.“ Psalm 29: 3. „Hilf
du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen.“
Psalm 79: 9. „Und haben verwandelt die Herrlichkeit des
unvergänglichen Gottes in ein Bild, gleich dem vergänglichen
Menschen.“ Römer 1: 23. – Zweitens, der Macht. „Dir ge-
bühret die Majestät und Gewalt.“ 1. Chronica 29: 11. „ Ach
Herr, Herr, siehe du hast Himmel und Erde gemacht durch
deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm, und
ist kein Ding vor dir unmöglich.“ Jerem. 32: 17. „Darum,
daß er deine Väter geliebet, und ihren Samen nach ihnen
erwählet hat, und hat dich ausgeführet mit seinem Angesicht,
durch seine große Kraft aus Aegypten.“ 5. Mos. 4: 37. „Gott
stärkt mich mit Kraft.“ 2. Samuel 22: 33. „Er breitet aus
die Mitternacht, nirgend an, und hänget die Erde an nichts.
Er fasset das Wasser zusammen in seine Wolken, und die
Wolken zerreißen darunter nicht. Er hält seinen Stuhl und
breitet seine Wolken davor. Er hat um das Wasser ein Ziel
gesetzt, bis das Licht samt der Finsternis vergehe. Die Säu-
len des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schel-
ten. Vor seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm, und
vor seinem Verstand erhebet sich die Höhe des Meers. Am
Himmel wird es schön durch seinen Wind, und seine Hand be-
reitet die gerade Schlange. Siehe, also gehet sein Thun; aber
davon haben wir ein geringes Wörtlein vernommen. Wer
will aber den Donner seiner Macht verstehen?“ Hiob 26:
7–14.
Was ist der Sohn? Erstens, ist er eine Person, die einen
Körper hat. Vorlesung 5: 2.
Wie wird es bewiesen? „Jesus spricht zu ihm, ‚So lange
bin ich bei euch und du kennest mich nicht, Philippus? Wer mich
siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn, ‚Zeige uns
den Vater‘? Glaubst du nicht, daß ich im Vater und der Va-
ter in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich
58
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet,
derselbe thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater, und
der Vater in mir ist.“ Johannes 14: 9–11.
Zweitens – und da er einen Körper hat, war er ge-
macht oder gebildet wie der Mensch, oder ist in der Form und
dem Gleichnisse des Menschen. Vorlesung 5: 2. „Ein jeglicher
sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl
in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub,
Gott gleich sein, sondern äußerte sich selbst und nahm Knechts-
gestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Ge-
berden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst,
und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“
Philipper 2: 5–8. „Nachdem nun die Kinder Fleisch und
Blut haben, ist er es gleicher Maßen teilhaftig geworden –
denn er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Sa-
men Abrahams nimmt er an sich.“ Ebräer 2: 14, 16.
Drittens – ist er auch im Gleichnis der Person des
Vaters. Vorlesung 5: 2. „Nachdem vor Zeiten Gott manch-
mal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern, durch
die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet
durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben aller Dinge,
durch welchen er auch die Welt gemacht hat; welcher, dieweil
er ist der ausgegosse Glanz seiner Herrlichkeit und das aus-
gedrückte Ebenbild seiner Person.“ Ebräer 1: 1–3. Wie-
derum Philipper 2: 5, 6. „Ein jeglicher sei gesinnt wie Je-
sus Christus auch war; welcher, ob er wohl in göttlicher Ge-
stalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein.“
Waren es der Vater und der Sohn, die alle Dinge schu-
fen, die geschaffen und gemacht worden sind? Ja. „Welcher
ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene
vor allen Kreaturen. Denn durch ihn ist Alles erschaffen, das
im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare,
beides die Thronen und Herrschaften, und Fürstentümer und
Obrigkeiten, es ist Alles durch ihn und zu ihm geschaffen.
Und er ist vor allen, und es besteht alles in ihm.“ Colosser
1: 15–17. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
1. Mos. 1: 1. „Hat er (Gott) am letzten in diesen Tagen zu
59
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzet hat zum Er-
ben über Alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat.“
Ebräer 1: 2.
Besitzt er die Fülle des Vaters? Ja. „Denn es ist das
Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte.“
Colosser 1: 19. „Denn in ihm wohnet die ganze Fülle der
Gottheit leibhaftig.“ 2: 9. „Welcher da ist sein (Christi) Leib,
nämlich die Fülle deß, der Alles in Allem erfüllet.“ Ephes.
1: 23.
Warum wurde er der Sohn genannt? Des Fleisches we-
gen. „Darum auch das Heilige, das von dir geboren wird,
wird Gottes Sohn genannt werden.“ Luk. 1: 35. „Und da
Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser;
und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Jo-
hannes sahe den Geist Gottes gleich als eine Taube, herabfah-
ren und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom
Himmel herab sprach, ‚Dies ist mein lieber Sohn, an welchem
ich Wohlgefallen habe‘.“ Matthäi 3: 16, 17.
Wurde er vor der Gründung der Welt, vom Vater ver-
ordnet, ein Sühnopfer für die Sünden aller derer, die an ihn
glauben würden, zu werden? Ja. „Und wisset, daß ihr nicht
mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid, von eurem
eitlen Wandeln nach väterlicher Weise; sondern mit dem teu-
ren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten
Lammes; der zwar zuvor versehen ist, ehe der Welt Grund
geleget war, aber geoffenbaret zu den letzten Zeiten um euret-
willen.“ 1. Petri 1: 18–20. „Und Alle, die auf Erden woh-
neten, beteten es (das Tier) an, deren Namen nicht geschrieben
sind in dem lebendigen Buch des Lammes, das erwürget ist,
von Anfang der Welt.“ Offenb. 13: 8. „Sondern wir reden
von der heimlichen verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott
verordnet hat vor der Welt, zu unserer Herrlichkeit.“ 1. Co-
rinth. 2: 7.
Haben der Vater und der Sohn denselben Willen? Ja.
„Ich (Christus) kann nichts von mir selbst thun. Wie ich
höre, so richte ich und mein Gericht ist recht; denn ich suche
nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich ge-
60
Fünfte Vorlesung über Glauben.
Fragen und Antworten.

sandt hat.“ Johannes 5: 30. „Denn ich bin vom Himmel ge-
kommen, nicht, daß ich meinen Willen thue, sondern, deß, der
mich gesandt hat.“ Johannes 6: 38. „Ich (Christus) und der
Vater sind eins.“ Johannes 10: 30.
Was ist dieser Wille? Der Heilige Geist. „Wenn aber
der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom
Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der
wird zeugen von mir.“ Johannes 15: 26. „Weil ihr denn
Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in
eure Herzen.“ Galater 4: 6.
Bilden der Vater Sohn und Heilige Geist die Gottheit?
Ja. Vorlesung 5: 2.
Wird der an Jesum Christum Glaubende, durch die Gabe
des Geistes mit dem Vater und dem Sohne eins werden, wie
der Vater und Sohn eins sind? Ja. „Ich bitte aber nicht
allein für sie (die Apostel), sondern auch für die, so durch ihr
Wort an mich glauben werden, auf daß sie Alle eins seien,
gleichwie du, Vater, in mir, und ich in dir; daß auch sie in uns
eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt.“
Johannes 17: 20, 21.
Legt die vorhergehende Abhandlung von der Gottheit
eine sichere Grundlage für die Ausübung des Glaubens an
ihn, zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit? Ja.
Wie wird es bewiesen? Durch den dritten Paragraphen
dieser Vorlesung.








61
Sechste Vorlesung über Glauben.

Vorlesung 6.
Bewußtsein eines gottgefälligen Wandels zum Glauben nötig.

1.  In den vorhergehenden Vorlesungen haben wir von
den Begriffen des Charakters, der Vollkommenheiten und
Eigenschaften Gottes gesprochen; zunächst wollen wir von der
Kenntnis sprechen, welche Personen haben müssen, daß ihr
Lebenslauf nach dem Willen Gottes ist, um es ihnen möglich
zu machen, Glauben an ihn zur Erlangung des Lebens und
der Seligkeit zu haben.
2.  Diese Kenntnis nimmt einen wichtigen Platz in ge-
offenbarter Religion ein; denn es war in Folge derselben,
daß die Alten im Stande waren, auszuharren, als ob sie
den sehen konnten, der unsichtbar ist. Die wirkliche Kenntnis
einer Person, daß der Lebenslauf, den sie führt, Gott wohlge-
fällig ist, ist wesentlich notwendig, um sie in den Stand zu
setzen, jenes Vertrauen in Gott zu haben, ohne welches nie-
mand ewiges Leben erlangen kann. Es war dies, was die al-
ten Heiligen befähigte, alle ihre Mühseligkeiten und Verfol-
gungen zu ertragen, und freudig die Zerstörung ihrer Güter
hinzunehmen, da sie wußten (nicht nur glaubten), daß sie
eine bleibendere Habe in Himmel hatten. Ebräer 10: 34.
3.  Mit der Versicherung, daß sie einen Lauf führten, der
nach dem Willen Gottes war, waren sie im Stande, nicht
nur die Zerstörung ihrer Güter, und die Zerrüttung ihres
Eigentums, sondern auch den Tod auf die schrecklichste Weise,
freudig zu erdulden, im Bewußtsein (nicht nur glaubend), daß
nach der Auflösung dieses irdischen Hauses sie einen Bau
von Gott haben werden, ein Haus nicht mit Händen gemacht,
das ewig ist, im Himmel. 2. Corinth. 5: 1.
4.  So war und wird die Lage der Heiligen Gottes im-
mer sein, daß wenn sie nicht eine wirkliche Kenntnis haben,
daß der Lebenslauf, welchen sie führen, nach dem Willen Got-
tes ist, sie in ihren Herzen müde und schwach werden. Denn
so ist der Widerstand gewesen und wird auch immer in den
Herzen der Ungläubigen und jener sein, die Gott nicht kennen,
gegen die reine und unverfälschte Religion des Himmels (die
einzige Sache, welche ewiges Leben gewiß macht), so daß sie
aufs Aeußerste alle diejenigen verfolgen, welche Gott nach
62
Sechste Vorlesung über Glauben.
Religion muß Aufopferung verlangen, um seligmachend zu sein.

seinen Offenbarungen verehren, die Wahrheit, deren Liebe we-
gen empfangen und sich unterwerfen, nach seinen Willen ge-
leitet und geführt zu werden, und sie in solche äußerste Not
treiben, daß nichts Geringeres als die wirkliche Kenntnis, die
Geliebten des Himmels zu sein und jene Ordnung der Dinge
empfangen zu haben, die Gott zu Erlösung der Menschheit
eingeführt hat, sie in den Stand setzen wird, jenes Vertrauen
in ihn zu setzen, das notwendig für sie ist, die Welt zu über-
winden und jene Krone der Herrlichkeit, welche für diejenigen,
die Gott fürchten, aufbewahrt ist, zu erlangen.
5.  Um den Menschen zu befähigen, Alles niederzulegen
und aufzugeben, seinen Charakter und Ruf, seine Ehre, seinen
guten Namen und Beifall unter den Menschen, Häuser, Län-
der, Brüder und Schwestern, Weib und Kinder und selbst sein
eigenes Leben – alle Dinge nur als Kot und Schaum be-
trachtend, der Erhabenheit der Kenntnis Jesu Christi willen
– braucht es mehr als bloßen Glauben oder Vermutung, daß
er den Willen Gottes thut; sondern eine sichere Kenntnis,
welche ihm verwirklicht, daß nachdem diese Leiden beendigt
sind, er als ein Teilhaber der Herrlichkeit Gottes in ewige
Ruhe eingehen wird.
6.  Denn wenn der Mensch nicht weiß, daß er nach dem
Willen Gottes wandelt, so würde er die Würde des Schöpfers
verletzen, zu sagen, er wolle ein Teilnehmer seiner Herrlichkeit
werden, nachdem er mit den irdischen Dingen dieser Welt fer-
tig wäre. Doch wenn er diese Kenntnis hat und ganz sicher
weiß, daß er den Willen des Herrn thut, so kann sein Ver-
trauen auch im Verhältnis stark, zur Erlangung der Herrlich-
keit Gottes sein.
7.  Hier wollen wir bemerken, daß eine Religion, die
nicht das Aufopfern aller Dinge verlangt, nie Macht genug
hat, und den zur Erlangung des Lebens und der Seligkeit not-
wendigen Glauben hervorzubringen; denn seit dem ersten Da-
sein des Menschen, konnte der Glaube, welcher notwendig zur
Erlangung des Lebens und der Seligkeit ist, nie ohne das
Aufopfern aller irdischen Dinge erlangt werden. Es war
durch dieses Opfer und es allein, daß Gott verordnete, daß
63
Sechste Vorlesung über Glauben.
Schriftliche Anführungen, die dieses bestätigen.

die Menschen sich des ewigen Lebens erfreuen sollten; und es
ist durch das Opfer aller irdischen Dinge, daß die Menschen
wirklich wissen, daß sie die Dinge thun, die dem Herrn ange-
nehm sind. Wenn ein Mensch Alles, was er besitzt, um der
Wahrheit willen, geopfert, und selbst sein Leben nicht zurück-
gehalten hat, und vor Gott glaubt, daß er berufen worden ist,
dieses Opfer zu bringen, weil er seinen Willen zu thun sucht,
so weiß er auch ganz gewiß, daß Gott sein Opfer und seine
Gabe annehmen wird und daß er sein Angesicht nicht ver-
geblich sucht, noch suchen wird. Unter diesen Verhältnissen
kann er daher Glauben erlangen, welcher notwendig ist, das
ewige Leben zu erfassen.
8.  Es ist vergeblich für Personen sich einzubilden, daß
sie Erben mit jenen sind oder sein können, welche ihr Alles,
als ein Opfer dargebracht, und durch dieses Mittel, Glauben
an Gott und seine Gunst erlangt haben, so daß sie ewiges
Leben erlangen können, wenn sie nicht, auf gleiche Weise ihm
ein gleiches Opfer bringen und durch jenes Opfer die Kennt-
nis erlangen, daß sie von ihm angenommen werden.
9.  Es war durch das Darbringen von Opfern, daß Abel,
der erste Märtyrer, die Kenntnis erlangte, daß er von Gott
angenommen war. Und von der Zeit des gerechten Abel an
bis auf die jetzige Zeit ist die Kenntnis, welche die Menschen
haben, daß sie angenommen worden sind, vor dem Angesichte
des Herrn, durch das Darbringen von Opfern, erlangt wor-
den. Und in den letzten Tagen, ehe der Herr kommt, wird er
seine Heiligen, die mit ihm einen Bund durch Opfer gemacht
haben, zusammensammeln. „Unser Gott kommt und schweiget
nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her, und um ihn her ein
großes Wetter. Er ruft Himmel und Erde, daß er sein Volk
richte. Er wird sprechen, ‚Versammelt mir meine Heiligen,
die einen Bund mit mir gemacht haben, durch ein Opfer‘.“
Psalm 50: 3–5.
10.  Jene, deshalb, welche ein Opfer bringen, werden
das Zeugnis haben, daß ihr Lebenslauf vor dem Angesichte
des Herrn angenehm ist; und jene, welche dies Zeugnis ha-
ben, werden Glauben haben, ewiges Leben zu erlangen und
64
Sechste Vorlesung über Glauben.
Die, welche kein solches Opfer bringen, können nicht ausharren.

durch den Glauben im Stande sein, bis ans Ende auszuhar-
ren und die Krone zu empfangen, welche für diejenigen be-
reitet ist, welche die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi
lieben. Doch diejenigen, welche das Opfer nicht bringen, kön-
nen sich dieses Glaubens nicht erfreuen, weil die Menschen
von diesem Opfer abhängig sind, um diesen Glauben erlan-
gen zu können; deshalb können Sie das ewige Leben nicht er-
fassen, weil die Offenbarungen Gottes ihnen nicht das Recht
dazu gewährleisten und ohne diese Gewährleistung der Glaube
kein Dasein haben könnte.
11.  Alle Heiligen, von denen wir Bericht in allen, den
uns bekannten, Offenbarungen haben, erlangten die Kennt-
nis welche sie von ihrer Annahme vor dem Angesicht Gottes
hatten, durch das Opfer, welches sie ihm darbrachten; durch
die so erlangte Kenntnis, wurde ihr Glaube stark genug auf
das Versprechen der Erlangung des ewigen Lebens sich zu
stützen und auszuharren, als ob sie ihn sähen, der unsichtbar
ist, und wurden durch den Glauben in den Stand gesetzt, die
Mächte der Finsternis zu bekämpfen, gegen die List des Wider-
sachers zu streiten, die Welt zu überwinden und den Endzweck
ihres Glaubens, sogar die Seligkeit ihrer Seelen zu erlangen.
12.  Doch diejenigen, welche Gott jenes Opfer nicht ge-
bracht haben, wissen nicht, ob der Weg, den sie einschlagen,
Gott wohlgefällig ist; denn, was immer ihr Glaube oder ihre
Meinung sein mag, so haben sie doch Zweifel und Ungewiß-
heit in ihren Herzen. Wo Zweifel und Ungewißheit herr-
schen, da ist, und kann kein Glaube sein; denn Zweifel und
Glaube können nicht in einer Person zur selben Zeit bestehen;
so daß Menschen, deren Herzen in Zweifel und Furcht sind,
kein unerschütterliches Vertrauen haben können, und wo
unerschütterliches Vertrauen nicht herrscht, da ist der
Glaube schwach, und wo der Glaube schwach ist, da werden die
Personen nicht im Stande sein, gegen allen Widerstand, alle
Trübsale und Mühseligkeiten, welchen sie zu begegnen haben,
um Erben Gottes und Miterben Jesu Christi zu werden, zu
kämpfen. Deshalb werden sie müde in ihren Herzen und der
Widersacher wird Macht über sie erlangen und sie zerstören.
65
Siebente Vorlesung über Glauben.

Vorlesung 7.
Ueber die Wirkungen des Glaubens.

1.  In den vorhergehenden Vorlesungen haben wir er-
klärt was der Glaube ist und auf welchem Gegenstand er be-
ruht. In Uebereinstimmung mit unserem Plane wollen wir
jetzt fortfahren von den Wirkungen desselben zu sprechen.
2.  Da wir in unseren früheren Vorlesungen gesehen ha-
ben, daß der Glaube das Princip der Handlung und Macht in
allen vernünftigen Wesen, Himmels und der Erde ist, so ist
nicht zu erwarten, daß in einer Vorlesung dieser Art wir ver-
suchen werden, alle seine Wirkungen auseinander zu setzen;
auch ist es für unseren Zweck nicht notwendig, denn es würde
alle Dinge im Himmel und auf der Erde, ja alle die Schöp-
fungen Gottes mit ihren endlosen Verschiedenheiten in sich
fassen, denn keine Welt ist noch je erschaffen worden, die nicht
durch den Glauben gebildet worden ist; auch hat es noch nie-
mals ein vernünftiges Wesen, auf irgend einer der Schöpfun-
gen Gottes gegeben, welches nicht des Glaubens wegen dort
hingelangte, welcher entweder in ihm selbst oder in einem an-
dern Wesen herrschte; auch ist noch nie eine Veränderung
oder Umwälzung in den Schöpfungen vorgekommen, die nicht
durch den Glauben bewerkstelligt wurde; noch wird je eine
solche Veränderung oder Umwälzung vorkommen, die nicht
auf jene Weise in irgend einer der unermeßlichen Schöpfun-
gen des Allmächtigen hervorgebracht wird, denn es ist durch
den Glauben, daß Gott wirkt.
3.  Wir wollen hier eine Erklärung in Bezug auf den
Glauben geben, daß unser Begriff deutlich zu verstehen sei.
Wir fragen deshalb, wie verstehen wir das Wirken eines Men-
schen durch den Glauben? Wir antworten – wir verstehen,
daß wenn ein Mensch durch den Glauben wirkt, er durch gei-
stige Anstrengung, anstatt der körperlichen Kraft arbeitet.
Es ist durch Worte, anstatt der Ausübung seiner körperlichen
Kräfte, durch welche jedes Wesen arbeitet, das durch Glauben
wirkt. Gott sagte: „Es werde Licht, und es ward Licht.“ Jo-
sua sprach und die großen Lichter, welche Gott geschaffen hatte,
standen still.
66
Siebente Vorlesung über Glauben.
Glaube, das erste Princip der Wissenschaft der Gottesgelehrtheit.

Elia befahl, und der Himmel hörte auf, während eines
Zeitraumes von drei und einem halben Jahre Regen herabzu-
gießen; er befahl wiederum und die Himmel brachten Regen
hervor. Alle diese Dinge wurden durch den Glauben gethan.
Der Erlöser sagte: „So ihr Glauben habt als ein Senfkorn,
so möget ihr sagen zu diesem Berge, ‚Hebe dich von hinnen
dorthin; so wird er sich heben‘, oder, „Sagt zu diesem Maul-
beerbaum, ‚Reiße dich aus und versetze dich ins Meer‘, so
wird er euch gehorsam sein.“
So arbeitet denn der Glaube durch Worte, und durch diese
sind seine mächtigsten Werke ausgeführt worden und werden
auch in der Zukunft ausgeführt werden.
4.  Es wird sicherlich nicht von uns zu beweisen verlangt
werden, daß dies das Princip ist, nach welchem die ganze
Ewigkeit gehandelt hat und handeln wird; denn jeder über-
legende Geist muß wissen, daß es in Folge dieser Macht ist,
daß alle Heerscharen des Himmels ihre Werke der Wunder,
der Majestät und Herrlichkeit thun. Die Engel bewegen sich
von Ort zu Ort, kraft jener Macht; es ist vermöge derselben
daß sie im Stande sind, vom Himmel auf die Erde niederzu-
steigen, und wäre es nicht der Macht des Glaubens wegen, so
könnten sie nie dienende Geister für die sein, welche Erben der
Seligkeit sind, auch könnten sie nicht als himmlische Boten
handeln; denn sie würden der Macht entblößt sein, die notwendig
ist, sie in den Stand zu setzen, den Willen Gottes zu thun.
5.  Es ist nur notwendig zu sagen, daß die ganze sichtbare
Schöpfung, wie sie jetzt ihr Dasein hat, die Wirkung des
Glaubens ist. Es war der Glaube, durch welche sie formirt
wurde, und es ist durch die Macht des Glaubens, daß sie in
ihrer organisirten Form fortfährt, und daß die Planeten sich
in ihren Bahnen bewegen und in ihrer Herrlichkeit funkeln.
So ist also der Glaube wirklich das erste Princip in der
Wissenschaft der Gottesgelehrtheit und wenn recht verstanden,
leitet er den Geist zurück zum Anfange und trägt ihn vorwärts
zum Ende, oder in anderen Worten, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
6.  Da der Glaube daher das Princip ist, durch welches
die himmlischen Heerscharen ihre Werke thun und durch wel-
chen sie alle ihre Glückseligkeit genießen, so können wir wohl
67
Siebente Vorlesung über Glauben.
Ohne Glauben kann man Gott nicht gefallen, noch selig werden.

erwarten ihn, in den Offenbarungen Gottes, als ein Prin-
cip dargestellt zu finden, nach welchem seine Geschöpfe hie-
nieden handeln müssen, um die Glückseligkeit, deren sich die
Heiligen in der ewigen Welt erfreuen, zu erlangen. Wenn
Gott es unternimmt, Menschen für seine eigene Freude her-
anzubilden, so lehrt er ihnen die Notwendigkeit durch den
Glauben zu leben, und die Unmöglichkeit, die Segnungen der
Ewigkeit ohne denselben genießen zu können, indem alle Seg-
nungen der Ewigkeit die Wirkung des Glaubens sind.
7.  Deshalb heißt es sehr angemessen, daß ohne Glau-
ben es unmöglich ist, Gott zu gefallen. Sollte man fragen
– Warum ist es unmöglich, Gott ohne Glauben zu gefallen?
so würde die Antwort sein, – weil ohne den Glauben es un-
möglich ist, für die Menschen selig zu werden; und da Gott die
Seligkeit des Menschen wünscht, so muß er natürlich wün-
schen, daß sie Glauben haben und er könnte nicht zufrieden
sein wenn sie keinen hätten, sonst würde er mit ihrem Unter-
gange zufrieden sein.
8.  Daraus lernen wir, daß die vielen Ermahnungen,
Glauben an ihn zu haben, welche von begeisterten Männern
denen, welche das Wort des Herrn empfangen hatten, gegeben
worden sind, nicht unnütze Dinge waren, sondern sie wurden
der besten Ursache willen gegeben, welche war, daß ohne Glau-
ben keine Seligkeit, weder in dieser noch in der nächsten Welt,
sein kann. Sobald als die Menschen anfangen durch den
Glauben zu leben, so fangen sie an, sich Gott näher zu ziehen;
und wenn der Glaube vervollkommnet ist, so sind sie ihm
gleich; und weil er selig ist, so sind sie auch selig; denn sie
werden sich in der gleichen Lage befinden wie er, weil sie
zu ihm gekommen sind; und wenn er erscheint, werden sie
ihm gleich sein, denn sie werden ihn sehen wie er ist.
9.  So wie die ganze sichtbare Schöpfung die Wirkung
des Glaubens ist, so auch die Seligkeit – wir meinen die Se-
ligkeit in ihrer breitesten Ausdehnung der Auslegung, ob es
zeitliche oder geistige sei. Um diesen Gegenstand klar vor dem
Geiste zu haben, so wollen wir uns fragen, in welchem Zu-
stande ein Mensch sein muß, um selig zu werden? oder was
ist der Unterschied zwischen einem Menschen der selig gewor-
68
Siebente Vorlesung über Glauben.
Christus das Musterbild, dem Alle trachten sollen gleich zu werden.

den ist und einem nicht selig Gewordenen? Wir antworten,
daß aus was wir vorher von den himmlischen Welten gesehen
haben, müssen sie Wesen sein, welche durch Glauben wirken und
durch denselben im Stande sind, allen denen, welche Erben der
Seligkeit werden, dienende Geister zu sein; und sie müssen
Glauben haben, um sich zu befähigen in der Gegenwart Got-
tes zu handeln, sonst können sie nicht selig werden. Und was
den wirklichen Unterschied zwischen einer seliggewordenen
und einer nicht seliggewordenen Person ausmacht, ist – der
Unterschied in dem Grade ihres Glaubens; der Glaube der
einen Person ist vollkommen genug geworden, das ewige
Leben zu erlangen, derjenige der andern Person ist es nicht.
Doch um ein wenig genauer zu sein so wollen wir fragen:
Wo werden wir ein Musterbild finden, dem wir gleich werden
müssen, damit wir Teilhaber des Lebens und der Seligkeit
gemacht werden können? – oder in anderen Worten, wo
können wir ein seliges Wesen finden? Denn wenn wir ein
seliges Wesen finden können, so können wir ohne große
Schwierigkeit ausfinden, was alle anderen sein müssen, um
selig zu werden. Wir denken, daß es keine Streitfrage sein
wird, daß zwei Personen, die einander ungleich sind, nicht beide
selig werden können; denn was immer die Seligkeit einer
Person ausmacht, wird auch die Seligkeit aller Geschöpfe aus-
machen, die selig werden; und wenn wir ein seliges Wesen
im ganzen Weltall finden können, so können wir sehen, was
alle Anderen thun müssen, oder sonst die Seligkeit nicht er-
reichen. Wir fragen daher: Wo ist das Vorbild? oder wo
ist das erlöste Wesen? Wir schließen, daß unter denjenigen
welche an die Bibel glauben, keine Streitfrage entstehen wird,
wenn wir sagen, daß es Christus ist. Alle werden damit
übereinstimmen, daß er das Vorbild oder das Muster der
Seligkeit ist, oder mit anderen Worten, daß er ein seliges
Wesen ist. Und wenn wir in unseren Fragen noch fortfahren
und fragen warum ist es, daß er selig ist, so würde die Ant-
wort sein – weil er ein gerechtes und heiliges Wesen ist;
und wenn er anders wäre als er ist, so würde er nicht selig
sein; denn seine Seligkeit hängt genau von dem ab, was er
wirklich ist und nichts Anderem; denn wäre es möglich für
69
Siebente Vorlesung über Glauben.
Um dieses zu thun, müssen sie sich von allen Sünden reinigen.

ihn, im geringsten Grade sich zu verändern, so wäre es sicher,
daß er seine Seligkeit nicht erhalten, und seine ganze Herr-
schaft, Macht, Autorität und Herrlichkeit, welche die Seligkeit
ausmachen, verlieren würde: denn die Seligkeit besteht aus
der Herrlichkeit, Autorität, Majestät, Macht und Herrschaft,
welche Jehovah besitzt und aus nichts Anderem, und kein
Wesen besitzt sie, außer ihm selbst und Solchen, die ihm gleich
sind. Deswegen sagt Johannes in seiner ersten Epistel 3: 2, 3.
„Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch
nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn
es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir
werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche
Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein
ist.“ Warum sich reinigen, wie er rein ist? Weil, wenn sie
es nicht thun, sie ihm nicht gleich sein können.
10.  Der Herr sagte zu Moses, „Rede mit der ganzen Ge-
meine der Kinder Israels, und sprich zu ihnen, ‚Ihr sollt hei-
lig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott‘.“ 3. Mos.
19: 2. Und Petrus sagt: „Sondern nach dem, der euch be-
rufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem eurem
Wandel. Denn es stehet geschrieben, ‚Ihr sollt heilig sein,
denn ich bin heilig‘.“ 1 Petri 1: 15, 16. Und der Heiland
sagt: „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater
im Himmel vollkommen ist.“ Matth. 5: 48. Wenn jemand
fragen sollte, Warum alle diese Sprüche? so ist die Antwort
enthalten in was früher angeführt worden ist aus der Epistel
Johannes, daß wenn er (der Herr) erscheinen wird, wir ihm
gleich sein werden; und wenn sie nicht heilig sind, wie er
heilig ist, und vollkommen, wie er vollkommen ist, so können
sie ihm nicht gleich sein; denn kein Wesen kann sich seiner
Herrlichkeit erfreuen, ohne seine Vollkommenheit und Heilig-
keit zu besitzen, wie sie auch in seinem Reiche nicht regieren
könnten, ohne seine Macht.
11.  Dieses setzt die Richtigkeit der Aussage Jesu deut-
lich auseinander, wie geschrieben in Johannes 14: 12. „Wahr-
lich, wahrlich ich sage euch, ‚Wer an mich glaubet, der wird
die Werke auch thun, die ich thue, und wird größere, denn
diese thun, denn ich gehe zum Vater‘.“ Diese Stelle, mit
70
Siebente Vorlesung über Glauben.
Erklärung über den Zustand der verherrlichten Heiligen.

einigen Worten in dem Gebet des Heilands, wie sie im sieb-
zehnten Kapitel geschrieben stehen, verbunden, gibt seinen
Ausdrücken große Verständlichkeit. Er sagt vom 20sten bis
24sten Verse: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch
für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß
sie Alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir, und ich in
dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube,
du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herr-
lichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie
wir eins sind, ich in ihnen, und du in mir, auf daß sie voll-
kommen seien in eins, und die Welt erkenne, daß du mich ge-
sandt hast, und liebest sie, gleichwie du mich liebest. Vater, ich
will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir ge-
geben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir ge-
geben hast, denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt ge-
gründet ward.“
12.  Alle diese Worte zusammengenommen, geben einen
so klaren Begriff von dem Zustande der verherrlichten Hei-
ligen, als die Sprache es machen kann; sie sollten die Werke
thun, die Jesus gethan hat und größere Werke als jene, welche
er that, als er unter ihnen war, sollten sie thun, und dies,
weil er zu seinem Vater ging. Er sagt nicht, daß sie diese
Werke in der Sterblichkeit thun sollten; doch sollten sie grö-
ßere Werke thun, weil er zum Vater ging. Er sagt im 24sten
Verse: „Vater ich will, daß, wo ich bin auch die bei mir seien,
die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen.“
Diese Worte in Verbindung gebracht, machen es sehr
deutlich, daß die größeren Werke, welche diejenigen, die an
seinen Namen glaubten, thun sollen, in der Ewigkeit gethan
werden sollten, wohin er ging und wo sie seine Herrlichkeit
sehen sollten. Er hatte in einem anderen Teil seines Gebets
gesagt, daß er von seinem Vater wünschte, daß jene, welche an
ihn glaubten, eins mit ihm sein möchten, wie er und der Va-
ter eins mit einander waren. „Ich bitte aber nicht allein für
sie (die Apostel), sondern auch für die, so durch ihr Wort an
mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien“; das ist,
jene, welche an ihn glauben durch die Worte der Apostel, so
wie auch die Apostel selbst, „daß sie Alle eins sein mögen,
71
Siebente Vorlesung über Glauben.
Nur vollkommene Wesen können sich der Gegenwart Gottes erfreuen.

gleichwie du Vater, in mir, und ich in dir, daß auch sie in
uns eins seien.“
13.  Welche Ausdrücke können deutlicher, als diese sein?
Der Heiland sicherlich beabsichtigt von seinen Jüngern ver-
standen zu werden, und er sprach so, daß sie ihn verstehen konn-
ten; denn er erklärt vor seinem Vater, in Worten die nicht
leicht mißverstanden werden können, daß er wünschte, daß
seine Jünger, selbst alle von ihnen, wie er und der Vater sein
möchten, denn wie er und der Vater eins waren, so möchten
auch sie eins mit ihnen sein. Und was im 22sten Verse ge-
sagt wird, ist berechnet, diesen Glauben noch fester zu be-
stätigen, wenn es einer solchen Bestätigung bedarf. Er sagt
– „Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir
gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind.“
Gleichsam zu sagen, daß wenn sie nicht die Herrlichkeit hät-
ten, welche ihm der Vater gegeben hatte, sie nicht mit ihnen
eins sein könnten; denn er sagt, er hätte ihnen die Herrlichkeit
gegeben, welche er vom Vater hatte, daß sie eins sein möchten,
– oder in anderen Worten, sie eins zu machen.
14.  Dies macht das Maß der Auskunft über diesen Ge-
genstand voll und zeigt sehr deutlich, daß der Heiland wünschte,
daß seine Jünger verstehen sollten, daß sie Teilhaber mit ihm
in allen Dingen, selbst seine Herrlichkeit nicht ausgenommen,
werden sollten.
15.  Es ist fast nicht notwendig, hier zu bemerken, was
wir vorher angeführt haben, daß die Herrlichkeit, welche der
Vater und der Sohn haben, in ihrem Besitz ist, weil sie ge-
rechte und heilige Wesen sind; und daß wären sie unvollkom-
men, in irgend einer Eigenschaft oder Vollkommenheit, welche
sie besitzen, sie sich auch nie der Herrlichkeit, welche sie haben
erfreuen könnten, denn es ist notwendig für sie zu sein gerade
was sie sind, um sich derselben erfreuen zu können; und wenn
der Heiland diese Herrlichkeit Anderen gibt, so muß er es auf
die genaue Weise thun, wie es in seinem Gebete an den Va-
ter auseinandergesetzt ist – sie eins mit ihm zu machen, wie er
und der Vater eins sind. Dadurch würde er ihnen die Herr-
lichkeit geben, welche der Vater ihm gegeben hat; und wann
seine Jünger eins mit dem Vater und den Sohn gemacht sein
72
Siebente Vorlesung über Glauben.
Der ganze Plan der Erlösung ist ein System des Glaubens.

werden, wie der Vater und der Sohn eins sind, wer kann
nicht die Richtigkeit der Aussage des Heilands sehen, wo er
sagt: „Die Werke, welche ich thue, sollen sie thun, und grö-
ßere als diese, denn ich gehe zum Vater.“
16.  Diese Belehrungen des Heilands zeigen uns sehr
deutlich die Natur der Seligkeit und was er der menschlichen
Familie anbot, als er ihnen antrug, sie zu erlösen; nämlich,
daß er beabsichtigte sie ihm gleich zu machen – und er war
gleich dem Vater, das große Vorbild aller geliebten Wesen
und für irgend einen Teil der menschlichen Familie, ihnen
gleich gemacht zu werden, ist Erlösung; und ihnen nicht gleich
zu sein, ist zerstört zu werden; und an dieser Angel dreht
sich das Thor der Erlösung.
17.  Wer kann daher nicht sehen, daß die Erlösung die
Wirkung des Glaubens ist? Denn wie wir vorher bemerkt
haben, wirken alle himmlischen Wesen durch dieses Princip;
und es ist, weil sie im Stande sind, dieses zu thun, daß sie
erlöst sind, denn nur dies allein kann sie selig machen. Und
dies ist die Lehre, welche der Gott des Himmels, durch den
Mund aller seiner heiligen Propheten der Welt zu erklären
gesucht hat. Deshalb wird uns gesagt, daß ohne Glauben
es unmöglich sei, Gott zu gefallen; und derhalben muß die
Seligkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei aus
Gnaden, und die Verheißung fest bleibe allem Samen (Rö-
mer 4: 16); und daß Israel welche dem Gesetze der Gerech-
tigkeit nachfolgten, nicht zu dem Gesetze der Gerechtigkeit
gelangten. „Warum das? Darum, daß sie es nicht aus dem
Glauben, sondern als aus den Werken des Gesetzes suchen.
Denn sie haben sich gestoßen an den Stein des Anlaufens.“
Römer 9: 32. Und Jesus sagte zu dem Manne, der ihm sei-
nen Sohn brachte, um den Teufel, welcher ihn plagte, aus-
zutreiben: „Wenn du könntest glauben. Alle Dinge sind mög-
lich dem, der da glaubet.“ Mark. 9: 23. Diese, mit einer
Menge anderer Bibelstellen, welche angeführt werden könn-
ten, stellen sehr deutlich dar, in welchem Lichte der Heiland,
sowie die Heiligen der früheren Tage, den Plan der Erlösung
betrachteten. Es war ein System des Glaubens, fängt mit
dem Glauben an und fährt mit dem Glauben fort, und jede
73
Siebente Vorlesung über Glauben.
Wirkungen des Glaubens unter den Heiligen der früheren Tage.

Segnung, welche in Bezug darauf erlangt wird, ist die Wir-
kung des Glaubens, ob es zu diesem Leben gehört oder zu
jenem, welches kommen wird. Dazu geben alle Offenbarun-
gen Gottes ihr Zeugnis. Wenn es Kinder der Verheißung
gab, so wurden sie es in Folge des Glaubens, selbst den Hei-
land der Welt nicht ausgenommen. „Und o selig bist du, die
du geglaubet hast,“ sagte Elisabeth zu Maria, als sie sie be-
suchte, „denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist
von dem Herrn.“ Luk. 1: 45.
Auch die Geburt Johannes des Täufers war nicht we-
niger eine Sache des Glaubens; denn darum daß sein Vater
Zacharias glauben sollte, mußte er stumm werden. Durch die
ganze Geschichte des Planes des Lebens und der Seligkeit ist
der Glaube eine notwendige Sache; jedermann empfing nach
seinem Glauben; wie sein Glaube war, so waren seine Seg-
nungen und Vorrechte, und nichts wurde von ihm zurück-
gehalten, wenn sein Glaube genügend war, es zu empfangen.
Er konnte der Löwen Rachen verstopfen, des Feuers Kraft
auslöschen, des Schwerts Schärfe entrinnen, stark werden im
Streit, und der Fremden Heere darniederlegen; die Weiber,
durch ihren Glauben, haben ihre Toten von der Auferstehung
wieder genommen; in einem Worte, nichts war denen un-
möglich, welche Glauben hatten. Alle Dinge waren den Hei-
ligen der früheren Tage unterthan, je nach ihrem Glauben.
Durch ihren Glauben, konnten sie himmlische Gesichte, die Be-
suche von Engeln, Kenntnis von Geistern gerechter, vollkom-
men gemachter Menschen und von der allgemeinen Versamm-
lung und Kirche des Erstgeborenen erlangen, deren Namen im
Himmel geschrieben sind, von Gott dem Richter Aller, von Jesu
dem Vermittler des neuen Bundes und mit dem dritten Him-
mel bekannt werden und Dinge sehen und hören, die nicht nur
unaussprechlich, sondern auch ungesetzlich zu erzählen waren.
Petrus, in der Anschauung der Macht des Glaubens,
sagte zu den Heiligen der früheren Tage: „Gott gebe euch
viel Gnade und Frieden, durch die Erkenntnis Gottes, und
Jesu Christi unsers Herrn. Nachdem allerlei seiner göttlichen
Kraft uns geschenket ist, durch die Erkenntnis deß, der uns
berufen hat, durch seine Herrlichkeit und Tugend.“ 2. Petri:
74
Siebente Vorlesung über Glauben.
Alle Dinge, die zum Leben gehören, sind Wirkungen des Glaubens.

1: 2, 3. „Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu
Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wieder-
geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Aufer-
stehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergäng-
lichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten
wird im Himmel, euch, die ihr aus Gottes Macht, durch den
Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist,
daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit.“ 1. Petri 1: 3–5.
18.  Diese Stellen in ihrer Zusammenstellung zeigen die
Anschauungen des Apostels sehr deutlich, so daß keine Person
sich darüber irren könnte. Er sagt, daß alle Dinge, welche
zum Leben und der Gottseligkeit gehören, ihnen durch eine
Kenntnis Gottes und unseres Heilands Jesu Christi gegeben
wurden. Und sollte die Frage gestellt werden, Auf welche
Weise sollten Sie eine Kenntnis Gottes erlangen? (denn es
ist ein großer Unterschied zwischen dem Glauben und Ken-
nen von Gott. Kenntnis umfaßt mehr als Glaube; und alle
Dinge, welche zum Leben und der Gottseligkeit gehören, wur-
den durch die Kenntnis Gottes gegeben) so ist die Antwort
gegeben – durch den Glauben sollten Sie diese Kenntnis er-
langen, und soweit sie Macht durch den Glauben hatten,
konnten sie damit alle anderen Dinge erlangen, die zum Le-
ben und der Gottseligkeit gehören.
19.  Aus diesen Worten des Apostels lernen wir, daß
es durch das Erlangen einer Kenntnis Gottes war, daß die
Menschen die Erkenntnis aller Dinge, welche zum Leben und
der Gottseligkeit gehören, erlangten; – und die Kenntnis die
Wirkung des Glaubens ist –, so daß alle Dinge, welche zum
Leben und der Gottseligkeit gehören, die Wirkungen des Glau-
bens sind.
20.  Von diesem Punkte können wir uns ausdehnen, so
weit als irgend welche Umstände, auf der Erde oder im Him-
mel, es verlangen mögen, und wir werden finden, daß es das
Zeugnis aller begeisterten Männer oder himmlischen Boten
ist, daß alle Dinge, welche zum Leben und der Gottseligkeit
gehören, die Wirkung des Glaubens und keiner andern Sache
sind. Alle Gelehrtheit, Weisheit und Klugheit und alle an-
deren Dinge, mit der Ausnahme des Glaubens, verfehlen,
75
Siebente Vorlesung über Glauben.
Dinge, welche den wahren Glauben immer begleiten.

Mittel zur Seligkeit zu sein. Deshalb konnten die Fischer
aus Galiläa die Welt lehren – weil sie durch den Glauben
suchten und durch denselben, erlangten; und deshalb betrach-
tete Paulus alle Dinge nur als Kot und Unrat. Was er
früher seinen Gewinn erachtete, nannte er seinen Schaden;
ja er achtete es Alles für Schaden gegen die überschwäng-
liche Erkenntnis Christi Jesu, (Philipper 3: 7–10), weil
er den Verlust aller Dinge erdulden mußte, um jenen Glau-
ben zu erhalten, durch welchen er sich der Kenntnis Jesu
Christi des Herrn erfreuen konnte. Das ist der Grund, wa-
rum die Heiligen der früheren Tage mehr als alle Anderen,
vom Himmel und himmlischen Dingen wußten und verstan-
den, denn diese Erkenntnis ist die Wirkung des Glaubens –
unerlangbar durch andere Mittel.
Und darum ist es, daß die Menschen, sobald als sie den
Glauben verlieren, sich in Streit, Zank, Finsternis und
Schwierigkeiten stürzen, denn die Kenntnis, welche zum Leben
führt, verschwindet, wenn der Glaube sich verliert und kehrt
zurück mit der Rückkehr desselben, denn wenn der Glaube
kommt, so bringt er einen Zug von Begleitern mit sich –
Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer, Gaben,
Weisheit, Kenntnis, Wunderthaten, Heilung, Zungen, Aus-
legung der Zungen, u. s. w. Alle diese erscheinen, wann
Glaube auf der Erde erscheint und verschwinden, wann er von
der Erde verschwindet; denn diese sind die Wirkung des Glau-
bens, haben ihn immer begleitet und werden es immer thun:
denn wo der Glaube ist, da wird auch die Kenntnis Gottes
sein, mit allen Dingen, die dazu gehören – Offenbarungen,
Gesichten und Träumen, sowohl als jedem notwendigen Ding,
damit die Besitzer des Glaubens vervollkommnet werden
und Seligkeit erlangen mögen; denn Gott muß sich entweder
verändern, oder der Glaube muß bei ihm herrschen. Und der-
jenige, der ihn besitzt, wird dadurch alle notwendige Kenntnis
erlangen, bis er Gott und den Herrn Jesum Christum, den
Gott gesandt hat, kennen lernt – die zu kennen, ewiges Le-
ben ist. Amen.
__________

zurück
mormonentum.de